Vorhang auf zur Badesaison ’76. Heroisches wird offensichtlich (siehe Photo) von dermodernen Badenixe verlangt. Denn was uns mit der attraktiven Dame am Strand verbindet, sind vor allem die Bändchen, die dem Stoffetzchen Halt geben. Immerhin, der optische Lustgewinn ist beträchtlich für den Betrachter. Und das ausgeklügelte System, Nacktheit nach Strich und Faden zu umkleiden, zeugt vom Unternehmergeist der Modeschöpfer wie vom Mut jener Mädchen, die sich auf einen Balanceakt zwischen Freizügigkeit und Zensur einlassen können, weil bei ihnen die Maße stimmen.

Verblaßt sind die Erinnerungen an die gutmütigen zweigeteilten Kreationen, die – geizend, reizend – gerade noch den Bauchnabel freiließen. Wir sind großzügiger im Diminutiv geworden. Und wo man früher Schmetterlinge trug, während noch Blümchen gängig waren, da ist jetzt „hintenherum“ so gut wie nichts.

Allerdings, das Raffinement der einstudierten Nacktheit hat einen entscheidenden Nachteil: die Bademode ’76 läßt keinen Platz mehr für die Phantasie – abgesehen davon, daß die Minikinis an allen unerdenklichen Stellen (man hat mir’s gesagt) kneifen.

Und auch dies stimmt bedenklich. Das Copyright der modischen Extratour ist fast ausschließlich abgestimmt auf den rüstigen Playboy mit eigener Yacht, der sich auf die Wellenlänge von St. Tropez, den Bahamas und Umgebung getrimmt hat.

Der Plunder der Modernität mag nur aus einigen Bändchen bestehen; es bleibt die sehr viel aufwendigere Frage, weshalb es die Modemacher durch eine unbegreifliche Unachtsamkeit versäumt haben, auch der Badehose von unsereins irgendein hübsches Accessoir zu verleihen, mit dem ein Embonpoint besser tragbar gemacht wird.

Was natürlich nicht ausschließt, daß auch unsereins den Chic der aufgenähten Nacktheit als reizenden Mode-Gag empfindet. Solange die Maße der Trägerinnen stimmen.

Gerhard Seehase