Im engsten Familienkreise wollte er seine Beerdigung. Als sie vorüber war, kam er überraschenderweise selber noch einmal zu Wort: Weitesten Kreisen teilte letzte Woche ein Fabrikant seinen Tod mit – in halbseitigen Zeitungsannoncen. „Unser aller Leben geht einmal zu Ende – so auch das meine. Und wenn Sie diese Zeilen lesen, habe ich längst zum letzten Male tief und vernehmlich geatmet“, so schrieb Willi Maurer, Erfinder von Rei in der Tube.

Sinnend blickt er im Foto auf die fünfundzwanzig Zeilen, in denen steht, wie er wurde, was er war: „Wer seinen klaren, ihm aufgezeigten Weg geht, hat nicht allzu viele Freunde.“

Postumer Dank gilt allen, „die einmal meinen Weg kreuzten – im Guten und Nichtguten. Vielleicht haben sie heute Nachsicht mit mir und meinem mir in die Wiege gelegten Temperament und meiner Veranlagung. Meine hektische Eile und mein manchmal notwendiges, wenig nachgiebiges Durchstehen haben sicher manchen verprellt. Doch lebt nicht jeder nach seinem eigenen Gesetz?“

Spricht hier der Chef, streng aber gerecht? Auch gegen sich selbst? „Ein in Vernunft und Verstand gelebtes Leben hat seine festgefügte Ordnung.“ Zugegeben: „Die vielen kleinen Unordentlichkeiten und Unberechenbarkeiten waren gleichwohl Versäumnisse, trotzdem durften sie in meinem bewußt gelebten Leben nicht fehlen.“

Ein ungewöhnlicher Nachruf? Ich-über-mich nun mal ganz offen zu guter Letzt? Vermutlich war das des Verfassers Absicht. Sie ist ihm – einem Mann, der zuweilen Werbespots für seine Produkte schrieb – zur Standard-Grabrede für einen Unternehmer geraten. Wer immer an seinem Grab gesprochen hat, wird ihn wohl ähnlich gepriesen haben.

Ein rührender Nachruf. De mortui nil nisi bene – auch wenn man es selbst ist.

Ruth Herrmann