Von Thomas v. Randow

Noch fließt das Erdöl aus dem Boden, noch lagert viel Kohle unter der Erdoberfläche, noch werden Kernkraftwerke gebaut. Ein paar Jahrzehntelang, vielleicht sogar länger als ein Jahrhundert werden wir mit diesen Energielieferanten auskommen, uns jedenfalls schlecht und recht damit durchwursteln können. Aber ein Ende ist abzusehen. Das Öl wird versiegen, die erreichbare Kohle wird knapp, und Atommeiler, vor allem Transport und Lagerung ihrer radioaktiven Abfälle, sind zu risikoreich, als daß man nukleare Kraftwerke in hinreichender Dichte errichten könnte.

Also wird im frühen dritten Jahrtausend der Fortbestand der zivilisierten Menschheit davon abhängen, ob ihr bis dahin eine neue Kraftquelle erschlossen ist. Sonnenlicht, Wind, Wasserkraft, Gezeiten und Erdwärme können allenfalls unwesentliche Beiträge zur Versorgung leisten.

Endlich sind nicht nur die Vorräte fossiler Brennstoffe, endlich ist gewiß auch die Menge der möglichen Erfindungen und neuen technischen Ideen; Viel deutet sogar darauf hin, daß der Vorrat nahezu erschöpft ist. Folglich ist auf etwas grundsätzlich Neues, das uns aus der Energieklemme befreien könnte, nicht zu hoffen.

Aber es gibt eine Hoffnung, eine sehr konkrete, die Fusionsenergie, die Imitation der Sonne. Daß die Verschmelzung von Gasatomen, bei der dann Energie frei wird, im Prinzip funktioniert, hat in dramatischer Weise die Wasserstoffbombe demonstriert. Im Prinzip ist auch ihre gezähmte Version, der Fusionsreaktor, zu verwirklichen. Und im Gegensatz zur gezähmten Atombombe, dem Kernreaktor, müßten wir bei der Fusionsenergiegewinnung keine katastrophalen Unfälle befürchten, hätten wir nicht mit radioaktiver Gefahr beim Betrieb, bei Versorgung und Entsorgung des Kraftwerks mit den Brennstoffen in rechnen, könnte kein auch noch so raffinierter Bastler Material für eine Bombe abzweigen.

Fusionsenergie wäre nahezu ideal, nicht nur ihrer allen anderen bisher genutzten Kraftquellen weit überlegenen Umweltfreundlichkeit wegen, sondern auch, weil die für sie erforderlichen Brennstoffe überall auf dem Planeten zu finden sind, nicht nur in einigen priviligierten Ländern.

Das Prinzip ist denkbar einfach. Wenn es gelingt, zwei Atomkerne einander so nahe zu bringen, daß die von ihnen ausgehende Kernkraft wirksam werden kann, dann verschmelzen sie zu einem neuen Atomkern. Bei diesem Prozeß jedoch bleibt etwas übrig, ein Kernbaustein und Energie, die man nutzen kann. Funktionieren tut dies zum Beispiel mit den Atomen des schweren Wasserstoffs Deuterium. Wenn man dieses Gas so stark erhitzt, daß die dadurch in heftige Bewegung geratenen Atome aufeinanderprallen, dann können sie zu einem Heliumatom verschmelzen. Ein Neutron (elektrisch neutraler Kernbaustein) und Energie in Form von Wärme werden dabei frei.