Glanzvoll war der Auftakt, das Ende ist trist: Zir Eröffnung der Frankfurter Diamantenbörse machten noch illustre Gäste ihre Aufwartung, Bauherr Josef Orgler begrüßte Botschafter und Börseipräsidenten, die Crème der Branche aus Deutschland und den Metropolen des Diamantenhandels aus aller Welt war versammelt, Bundesminister Hans Matthöfer entbot persönlich seine Glückwünsche. Heute residiert in dem luxuriös ausgestatteten Bau in der Stephanstraße der Zwangsverwalter. Und Josef Orgler sitzt – im Verdacht, Steuern hinterzogen und Vermögen beiseite geschafft zu haben – im Untersuchungsgefärgnis; das im September 1974 gestartete Experiment, Frankfurt neben Antwerpen, Tel Aviv und New York zu einem Zentrum des Diamantenhandels zu machen, endete mit einer Riesenpleite.

Deren wesentliche Ursache liegt in den Personen der Börsengründer selbst. Die zwei Initiatoren und Bauherren, Josef Orgler und Anita Mikulski, gelten als Laien, bar jeder Erfahrung im schwierigen Diamantengeschäft. Orgler kam vor etwa fünfzehn Jahren aus Israel nach Frankfurt und verdiente etliche Millionen in Grundstücksgeschäft. Anita Mikulski war durch ihre frühere Ehe mit dem CBS-Schallplattenverkäufer Bernhard Mikulski zu Geld gekommen. Beice glaubten, ihre Erfahrungen im Immobiliengeschäft würden ausreichen, eine Börse zu errichten und am Leben zu halten.

Doch die Hoffnung auf den immerwährenden Boom bei Immobilien trog. Leere Büroräume in der Frankfurter City warfen alle Kalkulationen über den Haufen. Der ervartete Ansturm auf die 150 Büros in Börsengebäude blieb aus, lediglich ein Drittel des Hauses wurde auf 25 Jahre fest an die sowjetische Ost-West-Handelsbank vermietet.

Unter dem Zwang, das mit Grundbuchforderungen von knapp 90 Millionen Mark belegte Haus auf jeden Fall zu füllen, und ohne die Möglichkeit, eine Durststrecke von zwei bis drei Jahren durchzustehen, waren die beiden Eigner in der Wahl ihrer Mieter außerordentlich großzügig.

Die „dritte und vierte Garnitur der Branche zog dort ein“, beobachtete ein renommierter Händler. „Fast nur Leute, die sonst im Café Kraizler mit Steinen geschachert haben. M.t denen konnte man sich nicht zusammen sehen lassen, ohne in Verruf zu geraten.“ Und Philip Swaab, der als Mitglied aller übrigen 14 Diamantenbörsen in der Welt auch in Frankfurt von Anfang an dabei war, erinnert sich: „In den Börsensälen von Antwerpen, Tel Aviv oder New York kenne ich jeden, hier in Frankfurt sind mir fast nur Leute begegnet, die ich vorher noch nie gesehen hatte.“

Und bald gerieten sich Mieter und Besitzer in die Haare. Denn die beiden Eigner beschränkten sich nicht auf die Verwaltung des Gebäudes, sondern wurden selbst im Steinehandel aktiv. Zusammen mit seiner Partnerin gründete Orgler das Diam-Center und die Diamimpex GmbH, potentielle Konkurrenz seiner Mieter Orgler – damaligen Börsenmitgliedern als generöser Gastgeber in Erinnerung – ließ sich in Vorstand und Präsidium der Börse wählen, berief den Hamburger Kaufmann Johannes M. Miller zur Wahrnehmung seiner privaten Geschäfte und ließ ihn zusätzlich das Amt des geschäftsführenden Börsenpräsidenten übernehmen.

„Ein Scherbenhaufen“