Von Heinz Michaels

Auch im Verzicht handelte Werner Blohm als Hanseat: Als Beauftragter der Schiff- und Flugzeugbauer-Familie schloß er mit dem Hamburger Senat einen Vertrag, der der Hansestadt eine Sperrminorität und damit maßgebenden Einfluß an Deutschlands größtem Luft- und Raumfahrtunternehmen Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) sichern soll. Für 62,3 Millionen Mark will Hamburg der Familie Blohm 20,5 Prozent der Gesellschafteranteile abkaufen.

Der Handel wurde Werner Blohm erleichtert, weil Hamburg bereit war, den höchsten Kurs – 490 Prozent – für die Blohmschen Gesellschafteranteile zu zahlen. Der Freistaat Bayern, so wurde in München verbreitet, wollte nur 450 bieten. Doch Blohm kontert: „Die Differenz war viel geringer.“ Nachdenklich fügt er hinzu: „Natürlich hat bei dem Entschluß die Verbundenheit unserer Familie mit Hamburg eine entscheidende Rolle gespielt.“

Die Verbundenheit der Blohms mit der Hansestadt reicht drei Generationen zurück. Vor hundert Jahren zog es den damals jüngsten Sproß der lübischen Familie an die Elbe.

In Lübeck hatte die Familie zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Bürgerrecht erhalten – eine Handwerkerfamilie, die sich in den Kaufmannsstand hocharbeitete und hochheiratete. Sie war im Rat vertreten und stellte auch einen Bürgermeister. Anfang des 19. Jahrhunderts schlug ein Georg Blohm eine Handelsbrücke nach Venezuela, wo ein Zweig der Familie noch heute seine Geschäfte betreibt.

Sein jüngster Sohn Hermann schlug jedoch aus der Art. Er studierte Schiffbau und wurde Ingenieur. Nach der Gründung des Deutschen Reiches – in jener Epoche, die später als „Gründerjahre“ bezeichnet wurde – meinte er, daß sich nun auch Deutschland stärker am Weltschiffbau beteiligen und diese Domäne nicht den Engländern überlassen sollte.

In der Heimatstadt fand er jedoch wenig Interesse für seine Werftpläne. Seine Chance erhielt er in Hamburg. Die Hansestadt bot ihm ein Gelände auf dem Steinwerder, im späteren Freihafen, an – nach Hamburger Tradition auf Pachtbasis. Zusammen mit dem Ingenieur Ernst Voss baute er dort 1877 die Werft Blohm & Voss auf. Für die alte Handelsstadt an der Elbe war dies praktisch der Grundstein für die Industrialisierung.