Ein internationaler Beistandskredit von fünf Milliarden Dollar soll Großbritannien helfen, die Währungskrise zu meistern.

Wieder einmal mußte Großbritannien die Hilfe befreundeter Länder in Anspruch nehmen, um den Sturzflug des Pfundes abzufangen. Die in der Zehnergruppe zusammengeschlossenen Länder – Belgien, die Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die Niederlande, Schweden und die USA – haben den Briten einen Beistandskredit von fünf Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Zwei Milliarden Dollar kommen aus amerikanischen Quellen, die restlichen drei Milliarden haben die anderen Mitglieder übernommen. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und die Schweiz, die nicht Mitglied des Internationalen Währungsfonds ist, haben sich an der Aktion beteiligt.

Der Pfundkurs reagierte prompt. Nach der Bekanntgabe der Hilfsaktion verbesserte er sich gegenüber dem Dollar um zweieinhalb Cents auf 1,75 Dollar. Großbritannien wird damit wieder einmal eine Atempause verschafft, mehr nicht.

Professor A. J. P. Taylor meint, es sei höchste Zeit, daß Großbritannien die Zugbrücke hochzieht. „Wir sind auf dem Weg in den Bankrott“, diagnostizierte der bekannte Historiker die Lage an der Währungsfront und plädierte in einem Rundfunkinterview für kriegswirtschaftliche Maßnahmen. Angesichts der neuerlichen Bedrohung müsse man Abwehrmaßnahmen ergreifen. Die ausländischen Besitzer von Sterling-Guthaben könnten ihre Guthaben jetzt nicht haben. Die Bevölkerung müsse man auf die Einführung der Rationierung vorbereiten, meinte der Professor aus Oxford.

Taylors Rat ist die extremste Empfehlung, welche die jüngste Pfundkrise bisher provoziert hat. Es begann Anfang März, als das Pfund nach einer Periode relativer Ruhe zu fallen begann. Seitdem hat es im Vergleich zu den Währungen der wichtigsten britischen Handelspartner über 15 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die Bank von England verlor fast drei Milliarden Dollar an Währungsreserven. Sie erhöhte den Diskontsatz um zweieinhalb Prozent auf die einsame Höhe von elfeinhalb Prozent, um ausländischen Sterlingbesitzern eine attraktive „Zitterprämie“ zu gewähren. Der Kurs verfiel trotzdem weiter.

London borgte sich im Ausland Geld, um Munition für den Aufkauf von ungeliebten Pfunden am Devisenmarkt zu haben. Heute sind die britischen Devisenreserven (rund 5,4 Milliarden Dollar) so hoch wie am Jahresende. Aber Großbritannien ist um mehr als 32 Milliarden Dollar stärker bei ausländischen Gläubigern und beim Internationalen Währungsfonds verschuldet. Der Fünf-Milliarden-DolIar-Kredit bringt die gesamte Auslandsverschuldung auf 82 Milliarden Dollar.