Die Fleißarbeit des Gymnasialprofessors Duden ist seit hundert Jahren ein Bestseller

Von Frank Otte

Nach der Bibel ist er eines der bekanntesten und wohl am häufigsten benutzten Bücher: der Duden. Das eine Buch, das zum rechten Glauben anleitet, ist in einigen hundert Millionen Exemplaren verbreitet; die Auflagenzahlen des anderen, einer Anleitung zum richtigen Schreiben, hüten die Verleger wie einen Schatz. „Darüber sagen wir grundsätzlich nichts“, heißt es im Duden-Verlag, der unter „Bibliographisches Institut AG“ (BI) in Mannheim ansässig ist.

Die Verschwiegenheit, die sich die Erben des Verlagsgründers Joseph Meyer auferlegt haben, hat Tradition. Seit der Rektor der Hersfelder Klosterschule, Ronrad Duden, im Jahr 1880 für das BI gewonnen wurde und mit seinem „Vollständigen orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ das erste allgemeingültige Regelwerk der Rechtschreibung vorlegte, wird lediglich mitgeteilt, die wievielte Auflage im Handel ist. Bis zum Tod des Bestsellerautors Duden im Jahr 1911 waren es acht; jetzt hat das Werk, das einschließlich einiger Duden-Sonderreihen zum Gesamtumsatz des BI von 29,4 Millionen Mark (1975) rund ein Drittel beiträgt, seine 17. Auflage erreicht.

Schöne Gewinne wirft die Fleißarbeit des Gymnasialprofessors auch heute noch ab. Zur Hauptversammlung am 12. Juni können sich die rund 250 Verlagseigner über acht Prozent Dividende und zwei Prozent Bonus für das abgelaufene Geschäftsjahr freuen.

Der Familien-Clan hat stets dafür gesorgt, daß diese Quelle leichter Gewinne munter sprudelt und die unangefochtene Stellung des „Duden“ erhalten bleibt. Das Wort „Duden“ ließen sie als Warenzeichen für Nachschlagewerke des Mannheimer BI eintragen. Kein anderer Verlag in der Bundesrepublik, der Schweiz und Österreich darf unter diesem Namen Bücher verkaufen. Wer im gewinnträchtigen Geschäft mit Wörterbüchern mitmischen will, muß sich schon äußerste Zurückhaltung auferlegen, um den peniblen Verlagsherren in Mannheim keinen Anlaß zu juristischen Auseinandersetzungen zu geben.

So erwirkte der Duden-Verlag beispielsweise eine einstweilige Verfügung gegen den Droemer-Knaur-Verlag, als dieser in seiner Werbung für „Knaurs Rechtschreibung“ behauptete, der Duden habe sich bisher im wesentlichen darauf beschränkt, den vorhandenen Sprachgebrauch zu spiegeln, aber er habe die Entwicklung keineswegs vorangetrieben. Außerdem wurde dem Münchner Verlag untersagt, bei der Aufzählung von Unterschieden zwischen „Knaurs Rechtschreibung“ und anderen Wörterbüchern den Duden namentlich zu nennen oder Zusammenstellungen von Stichwörtern aus Knaurs Rechtschreibung mit dem Hinweis zu verwenden, sie seien im Duden nicht enthalten.