Paul Getty, der reichste Mann der Welt, starb ohne Nachfolger

Bis 1953 war er ein Millionär wie viele andere auch, vier Jahre später sah das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Fortune“ in ihm den vermutlich reichsten Mann der Welt, am vergangenen Sonntag starb Jean Paul Getty auf seinem Landschloß bei London.

Nach Aristoteles Onassis und Howard Hughes ist innerhalb von 15 Monaten der dritte jener Superreichen gestorben, die ihre Milliarden im Ölgeschäft verdienten. Das Vermögen, das Getty hinterläßt, wird auf zwei bis vier Milliarden Dollar geschätzt.

„Ich bin ein schlechter Boß“, sagte Getty einmal, „ein guter Boß baut einen Nachfolger auf. Ich habe keinen.“ Seine Kinder hatte der Öl-Milliardär schon vor Jahren für ungeeignet gehalten, den Konzern weiterzuführen – anders als die Gründer von Riesen-Vermögen wie Ford, Rockefeller und Agnelli vor ihm.

Henry Ford II, der Enkel des Gründers der Ford-Werke, verkaufte bereits 1956 sechzig Prozent der stimmberechtigten Aktien am Unternehmen, die sich bis dahin ausschließlich im Familienbesitz befanden. Die aus dem Verkauf erzielten 2,7 Milliarden Mark flossen der Ford-Stiftung zu. Fords Privatvermögen wird auf rund 100 Millionen Dollar geschätzt.

In ähnlichen Verhältnissen lebt ein anderer Gründer-Enkel. Nelson Rockefeller, Großsohn des „Standard Oil“-Gründers John D., gab vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten sein persönliches Vermögen mit 218 Millionen Dollar an. Sein laufendes Einkommen, unter anderem aus einer zweiprozentigen Beteiligung an der Standard-Oil-Nachfolgerin „Exxon“, liegt bei rund 4,6 Millionen Dollar jährlich.

Auch der Agnelli-Clan muß sich heute mit einer Minderheitsbeteiligung an einem ehemals der Familie gehörenden Unternehmen bescheiden. Giovanni Agnelli beherrscht das von seinem Großvater gegründete Autowerk Fiat heute nur noch zu einem Viertel. Als reichster Mann Italiens ist er außerdem noch bei Olivetti und Cinzano, in der Zementindustrie des Landes und der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ beteiligt, ot.