Der aus der DDR stammende Mediziner Dr. Mader nannte dem Reporter Harry Valerien zwei Gründe für die Rekordflut bei den Schwimmerinnen der DDR: Eine gezielte und systematische jahrelange Talentauswahl aus Tausenden von Begabungen und ein Training, das exakt ausgearbeitete Tests über Ausdauer, Technik und spezifisches Gewicht der Kandidaten einbezieht. In extra dafür gebauten Schwimmkanälen werden diese Versuche durchgeführt – Medaillen in Montreal nach Plan.

17 Weltrekorde, davon alle in den für Frauen erreichbaren Disziplinen, zeigen, wo der Schwerpunkt der DDR-Erfolge liegt. Kornelia Ender setzte dabei mit ihrem Weltrekord über 200 Meter Freistil (1 : 59,78) neue Maßstäbe. Als erste Frau der Welt blieb sie unter 2 Minuten und schwamm damit schneller als der Weltrekord-Schwimmer aus der Bundesrepublik in den sechziger Jahren, Gerhard Hetz.

In München schwamm Peter Nocke in der gleichen Disziplin Europarekord (1 : 51,86) und bot damit die beste Leistung dieser Meisterschaften. Es ging für die Athleten aus der Bundesrepublik vor allem um die Erreichung der gesetzten Normen, denen als Kriterium die Chance auf eine Endlaufteilnahme in Montreal zugrunde gelegt war.

Während die Schwimmer des Deutschen Schwimm Verbandes (DSV) nur von einer „Durchgangsstation“ nach Montreal sprachen, probten die Athleten aus der DDR schon den Ernstfall. Sie sind eben immer bereit. Vielleicht lag auch darin schon der wesentliche Unterschied. Hoffentlich gehen die Schwimmer aus der Bundesrepublik dabei nicht baden. Jürgen Werner