Prix Jeunesse: das bedeutete für die 308 Teilnehmer aus 50 Ländern insgesamt 67 Filme aus 32 Ländern. Das bedeutet für einen der etwa 100 sogenannten akkreditierten Teilnehmer (die nicht nur als Beobachter gekommen sind, sondern sich verpflichten, das ganze Jugend- oder Kinderprogramm zu sehen und am Schluß gemeinsam die besten Filme zu wählen) der „Kategorie Kinder“: zehn Tage lang drei bis fünf Stunden Filmbetrachtung täglich, dazu drei Stunden Diskussion über diese Filme in entweder einer deutsch-, englisch- oder französischsprachigen Gruppe.

Kein zimperliches Programm, und eines, das nach einem hervorragenden Organisationsplan auf die Minuten genau ablief und zusätzlich mit wissenschaftlichen Vorträgen bestückt war; doch keiner beklagte sich, daß bei dieser Mischung aus Oberseminar und Klosterschule zu wenig Zeit für Shopping in München blieb. „Wenn man schon von so weit angereist kommt, will man auch etwas davon haben“, sagte ein Teilnehmer aus Pakistan.

Und was kann man von diesem Wettbewerb haben, der alle zwei Jahre in München für 320 000 Mark durchgeführt wird? Für einen der Stifter des Preises, den Bayerischen Rundfunk (dazu kommen noch: die Stadt München, der Freistaat Bayern und das ZDF), lautet die Antwort: „Es geht um unser wichtigstes Publikum, die Kinder.“ Albert Scharf, der stellvertretende Intendant, sieht in der Arbeit für den Preis „eine im besten Sinn politische Aufgabe, die – und der Erfolg bestätigt uns darin – wir nicht aufgeben wollen“.

Was heißt nun in diesem Zusammenhang Erfolg? Kann man ihn allein messen an der steigenden Zahl in- und ausländischer Besucher? Der eingereichten Filme? Der Berichte über dieses Angebot aus Informationen und Gedankenaustausch zwischen Fachleuten jeglicher Art, Indern und Ungarn, Neuseeländern und Mexikanern? Was hat man überhaupt davon, Kinderfilme aus Japan mit solchen aus Mombasa oder dem Kaukasus zu vergleichen?

Der Erfolg des Prix Jeunesse liegt tatsächlich in dieser Chance zu Begegnungen, denn sonst – so ein skandinavischer Teilnehmer – „säßen wir in dem Teufelskreis gefangen: die Produzenten machen Programme aus Regeln, die sie nicht genau definieren können, und fragen Wissenschaftler. Die befragen das Publikum, und das sieht das Programm, das die Produzenten machen“.

Zwischen diese festgefahrenen Zustände und hochmütigen Einseitigkeiten hat sich der Prix Jeunesse geschoben, und in diesem Jahr, in dem man sich zum siebten Mal traf, schien allen Beteiligten die Kluft zwischen Wissenschaftlern und Filmemachern geringer denn je. Jeder kennt allmählich die Nöte und die speziellen Bedürfnisse des anderen und ist insgeheim davon überzeugt, den anderen aus den ideellen Wolken oder aus kommerziellen Untiefen geholt zu haben.

Dazu kommt aber auch, daß, laut dem Generalsekretär des Prix, Ernst Emrich, „die Kinder seit spätestens 1974 von den Produzenten ernstgenommen werden. Man bemüht sich, ihre Probleme kennenzulernen. Von Filmempfängern sind sie zu Partnern geworden“, was sich auch an der großen Zahl der diesjährigen Filme und Filmversuche ablesen ließ, die zusammen mit Kindern oder allein von Kindern für Kinder gemacht worden sind. „Hat es noch 1964 überwiegend Puppen- und Märchenfilme gegeben, so ist heute die Unverbindlichkeit der Unterhaltung verschwunden. Selbst Unterhaltung wird nicht ohne Beziehung zu den Interessen der Kinder gesehen.“