Berlin: „Joachim Schmettern“

Seit jenem frühen Arbeiterkopf mit Ballonmütze und Zigarette – eine Bronze, die zur Inkunabel des Berliner Realismus geworden ist – hat Schmettau immer neue plastische Möglichkeiten ausprobiert und in seine Konzeption eingearbeitet. Auch diese kleine intime Ausstellung – 19 Skulpturen, vor allem aus den letzten vier Jahren, dazu Zeichnungen – vermittelt einen Eindruck davon, wie vielschichtig und facettenreich das Werk des achtunddreißigjährigen Bildhauers ist Eine mediterrane Neigung zur klaren, klassischen Form verbindet sich mit der Lust an der naturalistischen Anekdote; archaische Reminiszenzen werden, zitiert, aber auch ornamentale Motive des Jugendstils, etwa im Entwurf zu einem Brunnen oder in der „Lichtstele“ von 1973, einer zwei Meter hohen Säule aus verschlungenen Leibern, der Glühbirnen einmontiert sind. Mit präzisem Witz durchbricht Schmettau gelegentlich die fast klassizistische Glätte mancher Bronzefiguren, indem er ihr nen lineare Details eingraviert oder sie auch bemalt. In den kleinen erotischen „Saunafiguren“ von 1975 treibt er ein eigentümliches Spiel mit der Ambivalenz von Naturalismus und Abstraktion. Wie es Schmettau immer wieder gelingt, heterogene Mittel gegeneinander zu setzen und doch in einer prekären Balance zu halten, das macht ihn zu einem der bedeutenden lebenden Bildhauer. (Galerie Lietzow bis zum 26. Juni). Katrin Sello

Köln: „Malewitsch, Mondrian und ihre Kreise“

Die rund hundert Arbeiten russischer und holländischer Künstler aus der Sammlung Hack, die derzeit im Kölnischen Kunstverein zu sehen sind, wird man spätestens in zwei Jahren in Ludwigshafen im Wilhelm-Hack-Museum besichtigen können. Ende Mai wurde der Grundstein für das Museum gelegt und Wilhelm Hack, Sammler und Stifter, zum Ehrenbürger von Ludwigshafen ernannt. Keine andere öffentliche oder private Sammlung in Deutschland gibt einen so guten Überblick über die entscheidende erste Phase des Konstruktivismus zwischen 1915 und 1925. Das Erfolgsrezept des Sammlers: Wilhelm Hack hat sich für die Konstruktivisten interessiert, als das noch nicht opportun war, und er ist dabei mehr intuitiv, nach dem eigenen Gusto als nach kunsthistorischen Gesichtspunkten vorgegangen. Am Ende ergibt die Summe von individuellen und auch zufallsbedingten Entscheidungen sogar einen systematischen Aufbau, an dem die beiden Gruppierungen, die russische Kunst vor und nach der Oktoberrevolution und ihre westeuropäische Parallele, der holländische „Stijl“ etwa gleich stark beteiligt sind. Der „Kreis“ um Malewitsch umfaßt nicht weniger als 18 Künstler, wobei auch die Randfiguren der Szene berücksichtigt sind. Wer kennt schon die Malerin Popowa, von der fünf ungewöhnlich qualitätsvolle Bilder gezeigt werden. Das gilt auch für Andreenko und für Chaschnik, dessen „architektonische Studien“ bereits die praktische Anwendung konstruktivistischer Ideen vorbereiten. Malewitsch selbst ist mit zwei Gemälden und mit einer Serie von über 40 Zeichnungen vertreten, die jetzt in Köln zum erstenmal gezeigt werden und die extremen Positionen seiner Entwicklung dokumentieren, den kubistischen Ansatz, den suprematistischen Höhenflug, den figurativen Spätstil. (Kölnischer Kunstverein bis zum 1. August, Katalog 15 Mark.) Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen

Bremen: „Andy Warhol – das zeichnerische Werk 1942–1975“ (Kunsthalle bis 11. Juli, Katalog 30 Mark)

Coburg: „Meisterwerke europäischer Graphik 15.–18. Jahrhundert“ (Kupferstichkabinett bis 15. August, Katalog 23 Mark)