Mainz

Seit dem 3. Januar pokern die Parteien in Mainz um einen Posten, der erst im Mai nächsten Jahres frei wird. Dann läuft die Amtszeit des heute 56jährigen Mainzer Oberbürgermeisters Jockel Fuchs aus. Gewählt werden kann der Nachfolger frühestens im August. Ginge es allein nach der SPD, sollte Fuchs für weitere zehn Jahre OB bleiben.

Doch seit der Kommunalwahl im März 1974 haben SPD und CDU im Mainzer Stadtrat die gleiche Zahl an Sitzen (27), entscheidend sind also die fünf Stimmen der FDP-Vertreter. Die CDU, die bei der Rathauswahl 800 Stimmen mehr als die SPD errang, erhob noch am Wahlabend den Anspruch auf den Posten. „Wenn die CDU Leute wie Leisler-Kiep, Biedenkopf oder Albrecht benennt, hat sie gute Aussichten, den nächsten OB zu stellen“, flachst Günter Storch, FDP-Fraktionsvorsitzender in Mainz.

Bis Mai, so hatte die FDP die beiden anderen Parteien im Januar aufgefordert, sollten sie ihre Kandidaten benennen. Die SPD nominierte umgehend Jockel Fuchs, nach einer Infas-Umfrage von 1972 die berühmteste Mainzer Persönlichkeit nach Johannes Gutenberg. Ende Mai gab dann die CDU bekannt, sie wolle ihren Kandidaten erst nach der Bundestagswahl vorschlagen. Ihre Begründung: Nach einer Koalitionsaussage der FDP zugunsten der SPD auf Bundesebene könne sich die FDP-Stadtratsfraktion „vermutlich kaum für unseren Kandidaten entscheiden“.

Die FDP zeigte sich zwar bereit, dem CDU-Wunsch zu entsprechen, freilich mit dem schlitzohrigen Zusatz: „wenn alle Parteien diesem Vorschlag zustimmen“. Die Mainzer SPD verstand den Wink: „Nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage“ hielt sie es „für wenig sinnvoll, diese für die Stadt so wichtige Frage“ bis nach der Bundestagswahl zurückzustellen.

Die SPD erinnerte daran, daß die CDU seit der Kommunalwahl zwei Jahre Zeit gehabt habe, nach einem geeigneten Kandidaten zu suchen. Die FDP nahm den Ball wieder auf: „Unter diesen Umständen“ forderte sie die CDU auf, „möglichst bis Ende Juni ihren Kandidaten zu benennen.“

Für die CDU ist die Entwicklung nicht angenehm. Der Landesvorsitzende Bernhard Vogel, Kultusminister in Mainz, sieht den Schrittt der SPD zwar als „Beweis für deren Zittrigkeit. Die können wohl das Wasser nicht mehr halten.“ Doch er umschreibt das Dilemma der CDU so: Man habe zwei Kandidaten, die man aber nicht jetzt öffentlich nennen wolle, weil sie bereits als Kandidaten für den Bundestag nominiert worden seien. Das würde ihre Wahlchancen mindern. Dennoch werde man noch im Juni einen Kandidaten präsentieren. „Ich kann der CDU Mainz nur empfehlen, ihren besten Mann vorzuschicken. Für einen schwachen Mann tausche ich unsern Jockel nicht ein“, meint Günter Storch.