Ein Urlaubsland ist im letzten Jahr ganz besonders ins Gerede gekommen: Rumänien. Es gab Klagen über mangelhafte Hotelzimmer, schlechtes Essen und unpünktliche Starts der rumänischen Luftfahrtgesellschaft Tarom.

Deutsche Veranstalter zogen daraus Konsequenzen. Sie forderten das Touristikministerium in Bukarest auf, schleunigst für eine Änderung der unzumutbaren Zustände zu sorgen. Bei Neckermann und Reisen ging man sogar noch einen Schritt weiter und drohte, Rumänien notfalls ganz aus den Angebotskatalogen zu streichen.

Es hat den Anschein, daß diese Drohungen auch durchaus ernstgenommen werden. „Denen ist der Schock bis in die Kniekehlen gefahren“, verlautet es aus der Zentrale von Gut-Reisen und bei der Nürnberger TUI-Tochter Transeuropa glaubt man bereits Positives zu erkennen: „Rumänien reißt sich am Riemen“.

Um die verlorenen Touristen dieser Saison wenigstens im nächsten Jahr wieder an die Schwarzmeer-Küste zu locken, haben die Verantwortlichen in Bukarest offensichtlich eine gründliche Generalüberholung veranlaßt. Hotels werden renoviert, Zimmer neu ausgestattet und gestrichen, sanitäre Einrichtungen verbessert. „Die machen aus ihren Hotels jetzt endlich Hotels“, weiß ein gerade zurückgekehrter Inspekteur der TUI zu berichten.

Auch das Essen in den Touristen-Unterkünften soll inzwischen dem internationalen Standard angeglichen sein. Nach ersten Berichten der Reiseleiter soll sich die Schulung des Personals ebenfalls ausgezahlt haben, bislang heißt es nämlich überall: „Keine Beschwerden!“ Doch viele Brancheninsider bleiben skeptisch: „Wir müssen die Hauptsaison abwarten, da kommt dann die wirkliche Bewährungsprobe.“

Die Maßnahme einiger Reiseveranstalter, in diesem Jahr mehr deutsche Flugzeuge im Verkehr nach Rumänien einzusetzen, um damit Unpünktlichkeiten zu vermeiden, wurde vom Publikum nicht honoriert. Der Grund ist einfach: Bei Flügen in Tarom-Maschinen ist der Urlaub billiger.

Daß durch die Aufwendungen in der rumänischen Hotellerie im nächsten Jahr größere Preissteigerungen ins Haus stehen werden, gilt allgemein als ziemlich unwahrscheinlich. Die Finanzierung der Touristik-Aufwendungen erfolgt in Rumänien nur bedingt nach bei uns üblichen Kalkulationen. Ein Sprecher der TUI erläutert es so: „Die machen eben Staatstourismus, das hat mit echtem Wettbewerb nichts zu tun.“

Dem Urlauber kann das gleichgültig sein. Er verlangt größtmögliche Leistung für sein Geld. Bedauerlich ist eigentlich nur, daß die Rumänen sich erst unter Druck zu einem Tourismus-Standard verstanden, der bei den Ansprüchen heutiger Touristen längst selbstverständlich sein sollte. Werner Dageför