Hervorragend

Nils Lofgren: "Cry Tough." Nils Lofgren schreibt klassische Teenager-(Melo)dramen aus dem Geist des frühen Rock ’n’ Roll. Er ist längst nicht mehr nur das "Wunderkind des Rock", als das ihn die "New York Times" einmal apostrophierte, sondern in seiner Spieltechnik wie auch in der Nutzung der Möglichkeiten des Verstärkers der eigenwilligste und originellste Interpret an der Rock-Gitarre seit Lowell George und Paul Barrere, den beiden Gitarristen der US-Gruppe Little Feat. Ein brillanter Virtuose, der in seinen solistischen Exkursen so unberechenbar bleibt wie seinerzeit Jimi Hendrix, die Möglichkeiten des Instruments immer weiter erforscht und jenseits aller Virtuosität seine frappierende Stilsicherheit mit überzeugendem emotionalen. Ausdruck verbindet. Sein Gitarrenstil ist das genaue Gegenteil von "cool", bestimmt von einer neurotischen Energie, mit der Lofgren – von einer melodischen Akkordfolge ausgehend – ständig zu explodieren scheint. Das beste Rock-Album, das bisher in diesem Jahr erschien. (A & M 27 374, 17,90 Mark) Franz Schöler

Hörenswert

Ludwig van Beethoven: "Sinfonie Nr. 3 Es-dur, ‚Lroica‘." Aus dem Jahre 1964 stammt diese Aufnahme – und sie zeigt, ein wie gutes Orchester die >ew Yorker Philharmoniker einmal waren. Präzision wie von einem Uhrwerk gesteuert, Akkordschläge wie mit dem Rasiermesser geschnitten, Klänge in technokratisch-kühler Sachlichkeit, aber trotzdem außergewöhnlich farbig und intensiv, dazu Tempi, die Leonard Bernstein kaum heute je noch einmal riskieren würde. Das zur Zeit in Europa gastierende Ensemble gleichen Namens wirkt hiergegen nur wie ein Schatten. (New York Philharmonie Orchestra, Leitung Leonard Bernstein; CBS 61 331, 10,– DM) Heinz Josef Herbort

Ärgerlich

"Classical Barbra." Natürlich macht es neugierig zu hören, wie das ist, wenn ein Star wie Barbra Streisand ihren "Millionen von Fans" mit einer Überraschung kommt: mit (teilweise bearbeiteten) "klassischen Liedern" von Debussy ("Beau Soir"), Hugo Wolf ("Verschwiegene Liebe") und Carl Orff ("In trutina" aus den Carmina Burana), von Schumann ("Mondnacht"), Händel ("Dank sei Dir, Herr") und anderen, verabreicht wie Seelenbalsam für die blaue Stunde mit ungeheuer viel Gefühl. Es klingt alles gleich getragen, weich und sanft, als stamme es vom selben Meister einer zerlaufenden Romantik. Eine niedliche Stimme, gewiß, doch niemals leuchtet sie auch nur für einen lichten Moment auf; die Innerlichkeit überträgt sich nicht, weil Sentimentalität sie stumpf macht. (CBS 73 484, 22,– DM)

Manfred Sack