• Daimler-Benz-Chef Joachim Zahn hat nun auch offiziell bestätigt: in diesem Jahr für Mercedes-Pkw keine höheren Preise. Bei dieser Gelegenheit griff er Ihre Preispolitik an. Ford hatte ja die Preise noch während der Tarif Verhandlungen angehoben. Trifft Sie die Schelte?

Gäb: Der Vorwurf von Herrn Zahn verwundert uns ganz ungemein. Denn ausgerechnet Daimler-Benz hat – sicherlich aus den gleichen zwingenden wirtschaftlichen Gründen wie wir in diesem Jahr – im letzten Jahr exakt während der Tarifrunde seine Preise um 5,8 Prozent erhöht. Am 10. Februar 1975 erhöhte Daimler und am 26. Februar einigten sich die Tarifpartner auf 6,8 Prozent Lohnerhöhung. Angesichts dieser Vorgeschichte hätte Herr Professor Zahn den moralischen Zeigefinger besser nicht erhoben.

  • Ihre Preispolitik war zweifellos rigoros. Sind für Ford die Autopreise allein eine Frage dessen, was der Markt hergibt?

Göb: Unsere Preiserhöhung war eben nicht rigoros. Sie betrug de facto nur drei Prozent. Die restlichen zwei Prozent waren Mehrausstattung all unserer Modelle mit automatischen Sicherheitsgurten und Verbund-Sicherheitsglas. Rigoros war jedoch die emotionsgeladene und überzogene Kritik des Abgeordneten Ehrenberg und seiner Helfer an unserer Entscheidung. Das war Start in den Wahlkampf zu Lasten unseres Unternehmens.

  • Glauben Sie, sich um das, was Zahn die „stabilitätspolitische Verantwortung des Unternehmers“ nennt, zugunsten ihrer Firma nicht kümmern zu müssen?

Gäb: In die „stabilitätspolitische Verantwortung“ gehört auch die Verantwortung für die Stabilität und Sicherheit unseres Unternehmens und seiner Arbeitsplätze. Deswegen haben wir – Verantwortung nach allen Seiten – um maßvolle drei Prozent erhöht. Herr Zahn, der „anderen Leuten“ ihre stabilitätspolitische Verantwortung vorhält, hat dabei sicherlich übersehen, daß seine Mitarbeiter bei Daimler-Benz zur gleichen Zeit die neue 200er-Serie – also den weitaus größten Teil des Mercedes-Pkw-Geschäfts – um glatte zehn Prozent verteuert angeboten haben. Wenn es im Marktkampf jetzt um nützliche Hinweise an die Mitbewerber per Pressekonferenz geht – da gäbe es auch manchen guten Tip von Köln nach Stuttgart.

  • Haben Sie sich nicht überlegt, daß der Schaden einer solchen Preispolitik auch für Ihr Unternehmen größer sein kann, als der kurzfristige Nutzen? Beispiel: Nachschlagsforderungen der Gewerkschaften?