Streik ist auch heute ein legitimes Kampfmittel

Streik dient als Mittel zur Meinungsdurchsetzung und wird heute hauptsächlich zum Durchsetzen der gewerkschaftlich geforderten Tariflohnerhöhung eingesetzt. Es will jedoch wohl überlegt sein, ob Streik in einem Industriezweig, der in einer schweren Krise steckt, sinnvoll ist oder ob zum Teil blinder Fanatismus der Gewerkschaft der Druckindustrie Millionenschäden einbringt. Die Gewerkschaften riskieren, daß eventuell zusammenbrechende Verlagshäuser die Zahl der Arbeitslosen noch erhöhen. Auch darf die psychologische Wirkung des Streiks nicht unterschätzt werden, gerade bei einem Massenmedium wie der Zeitung. – Es ist auch fraglich, ob wirklich in allen Verlagshäusern bei einer Urabstimmung 75 Prozent für den Streik gestimmt hätten. Sonst besteht außer der psychologischen Wirkung eigentlich keinerlei Korrelation zwischen Streik und Arbeitslosenzahl, schließlich werden die Streikgelder ja nicht von der Bundesanstalt für Arbeit gezahlt.

Frithjof Bremer, 15 Jahre

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Der Druckerstreik hat einen ziemlich großen Schaden verursacht und bestimmt nicht zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme beigetragen. Mir ist daher auch unklar, wie die Gewerkschaft Druck und Papier die Durchsetzung ihres Dickkopfes in bezug auf die gesamte Wirtschaft verantworten will. Dieser Streik bei einer Million Arbeitslosen hat den Gewerkschaften mehr Schaden – vor allem in ihrer Popularität – als Nutzen gebracht. Ulrich Keding, 19 Jahre

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Gerade bei einer hohen Zahl Arbeitsloser ist ein Streik von großer Bedeutung für das Bewußtsein der Arbeitnehmer. In Zeiten der Rezession gelingt es den Arbeitgebern, die Arbeiter und Angestellten zu Duckmäusern zu machen. Die Angst vor Entlassungen und „Rationalisierungsmaßnahmen“ läßt die Arbeiter ihre Interessen in den Hintergrund stellen. Wer würde sich im Moment schon trauen, den gesetzlich gesicherten Bildungsurlaub in Anspruch zu nehmen? Wer hat den Mut, eine dringend notwendige Kur durchzuführen? Im Gegenteil: Eine Krankheit wird verschleppt, weil man keinen einzigen Tag fehlen möchte. Ebenso wird es von den Arbeitnehmern nicht mehr so wichtig genommen, wenn von seiten der Unternehmer gegen arbeitsrechtliche Gesetze verstoßen wird. Doch der Widerstand gegen solche Verstöße ist lebenswichtig für eine Demokratie.