In den meisten deutschen, aber auch in vielen ausländischen Wandergebieten sind heute die Wege durch Farbtafeln, Symbole und Hinweisschilder gut markiert. Viele Wandervereine in der Bundesrepublik setzen ihren Ehrgeiz daran, die Kennzeichnung der Wege laufend zu verdichten und instand zu halten. Urlauber, die vom festen Standort aus Rundwanderungen unternehmen, erhalten in vielen Fremdenverkehrsorten Wanderanleitungen mit den eingetragenen Markierungszeichen – aber eben nur für diesen Ort.

Die Forstverwaltungen vieler Bundesländer haben an Waldparkplätzen Tafeln aufgestellt, die Wanderlustige über die ausgeschilderten Rundwege informieren. Für alle diejenigen aber, die in unbekanntem Terrain größere Strecken wandern wollen, sind gute Karten nach wie vor unentbehrlich. Immer seltener können Einheimische an Fußgänger zuverlässige Wegauskünfte geben: Kenntnisse über Wanderwege sind heute die Ausnahme, fahren doch sogar die Landwirte fast nur noch mit dem Auto zur Feldarbeit. Im Gebirge kann der Besitz einer Zuverlässigen Karte bei Nebel und Unwetter sogar von lebensrettender Bedeutung sein.

Obwohl für andere Zwecke konzipiert, eignen sich die Meßtischblätter der Landesvermessungsämter im Maßstab 1 : 25 000 auch für Wanderer. Hier ist die zuverlässige Information im Detail zu finden, auch wenn diese Karten nicht in erster Linie auf Sehenswürdigkeiten oder Naturdenkmäler verweisen. Für längere Wanderungen ist das Mitschleppen der Meßtischblätter freilich lästig, weil man sie nur in einer größeren Kartentasche unterbringen kann.

Wanderkarten im Maßstab 1 : 75 000, das heißt, ein Zentimeter auf der Karte = 750 Meter In der Natur, aber auch der Maßstab 1 : 100 000 (Freytag-Berndt-Touristenkarten) genügen normalen Ansprüchen. Maßstäbe über 1 : 100 000 weisen dann jedoch bereits Lücken auf, so daß sie das Wegenetz nicht mehr ausreichend wiedergeben.

Der Reise- und Verkehrsverlag Berlin-Stuttgart bringt eine Wanderkarten-Serie im Maßstab 50 000 heraus. Sie entsteht unter Mitarbeit von Forstdirektionen, Flurbereinigungsämtern und Fremdenverkehrsvereinen. Neben den „offiziellen“, von den Wandervereinen markierten Wegen zeigen die Karten auch von Gemeinden angelegte Rundwanderwege für Urlauber, Erholungseinrichtungen, Schutzhütten, Waldlehrpfade und Parkplätze. Über 50 Wanderkarten des Verlages liegen inzwischen für die ganze Bundesrepublik vor. Der RV-Verlag bezeichnet sich selbst als „größter Verlag für Wanderkarten in der Bundesrepublik“. Ebenfalls im Maßstab 1 : 50 000 erscheint die „österreichische Wanderharte“.

Herausgeber der bekannten „Alpenvereinskarten“ ist der Deutsche Alpenverein (Praterinsel 5, 5000 München 22). DAV-Mitglieder können diese sehr detaillierten Karten (1 : 25 000) zu ermäßigten Preisen beziehen (3 bis 3,80 Mark, im Buchhandel 4 bis 4,90 Mark). Besonderer Wert wurde bei diesen Karten natürlich auf die exakte Wiedergabe der Gebirgsformationen gelegt, wobei sich auch der jeweilige Neigungsgrad des Geländes genau ersehen läßt. Rot eingetragen sind Skirouten für Läufer abseits der Piste. Gletscherspalten und andere Gefahrenstellen werden deutlich hervorgehoben. Diese Karten eignen sich freilich in erster Linie für Bergwanderer, die bereits einschlägige hochalpine Erfahrungen besitzen.

Die Aufzählung von Wanderkarten könnte beliebig fortgesetzt werden. Die genannten Reihen veranschaulichen jedoch, worauf es bei einer guten Karte ankommt: Die Wegebeschreibung muß es möglich machen, sich vor Antritt der Wanderung genau zu informieren. Unklarheiten in der Wegeführung müssen vorher, erkennbar sein, damit man rechtzeitig zusätzliche Unterlagen (Wanderführer, Karten anderen Maßstabs) beschaffen kann. Dazu haben Wanderer heute den nicht unbilligen Wunsch, nicht mehr mit kompliziert zu faltenden Karten belastet zu werden, sondern eine knapp gefaßte „Taschen-Information“ einstecken zu können. jv