Doch der Präsident wird erst in vier Monaten gewählt

Von Ulrich Schiller

Los Angeles, im Juni

Mit schwerem Geschütz und ausdrücklicher Billigung des Präsidenten hatten sich Gerald Fords Wahlhelfer auf den Ex-Gouverneur von Kalifornien, Ronald Reagan, eingeschossen. Immerhin ging es bei den Vorwahlen im Sonnenstaat des äußersten Westens der Vereinigten Staaten um nichts anderes als um die entscheidende Weichenstellung für den Präsidentschaftssieg – für die Republikaner zumindest. 167 Delegiertenstimmen waren zu gewinnen.

Hier in Kalifornien hatte der redegewandte Ex-Schauspieler Reagan seine Hausmacht. Und er war sich dessen auch bewußt. So etwa, als er, leicht verspätet, mit zwei geschmeidigen Schritten auf die Wahlkampfbühne in Palo Alto sprang und eine energische Dame leicht vorgerückten Alters ihn mit den Worte einführte: „Dieser Mann gibt sich nicht mit Pea-Nuts ab.“ Röhrender Applaus. Pea-Nuts, das sind Kleinigkeiten, wörtlich übersetzt heißt es jedoch „Erdnüsse“. Das amüsierte Gelächter galt deutlich der Anspielung auf den Erdnußfarmer Jimmy Carter, der gute Chancen hatte, Präsidentschafskandidat der Demokraten zu werden, wenn er auch noch die Vorwahlen in Kalifornien gewönne.

In Palo Alto, einem Vorort von San Francisco, der gediegenen Wohlstand hinter gepflegtem Grün ausstrahlt, war Reagan bei seinen Leuten. Die Damen hingen an seinen Lippen, verbreiteten Duft und Hygiene. Die Herren gefielen sich im Feierabendaufzug karierter Sporthemden und nickten beifällig, wenn Reagan gegen Washington und big government zu Felde zog. Sein schon oft strapaziertes Wortspiel kommt bei den Zuhörern immer wieder gut an: „Big government makes small people. Big people make government small.“

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