Zum zweitenmal hat sich nun eine Branche der Konsumgüterindustrie dazu durchgerungen, ihre Werbung freiwillig einzuengen. „Um jeden Mißbrauch in der Werbung von vornherein zu verhindern“, haben Hersteller, Importeure und Werbewirtschaft „Verhaltensregeln über die Werbung für alkoholische Getränke“ verabschiedet und in Kraft gesetzt.

Ganz „freiwillig“ allerdings kommen die werblichen Selbstbeschränkungen für Schnaps, Bier, Sekt und Wein nicht. Denn wie schon zuvor die Zigarettenhersteller, die sich als erste Branche bestimmte Darstellungen und Aussagen in ihrer Werbung selbst verboten hatten, stand auch die Alkoholindustrie seit langem unter Beschuß von Jugendschützern, prinzipiellen Werbegegnern und schließlich auch dem Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit.

Künftig also wird in Anzeigen und Werbefilmen nicht mehr zu übermäßigem Konsum von Wein und Branntwein aufgefordert, dürfen Sportler und Jugendliche nicht als Schnapsverbrauchen gezeigt und sämtliche mehrprozentigen Getränke nicht als Heilmittel gegen weltlichen und sonstigen Schmerz, gepriesen werden. Die allgemeine Freude über diesen „Erfolg“ ist gleichwohl unbegründet. Denn noch immer gibt es keine wissenschaftlich fundierte Aussage darüber, welche Wirkung die Werbung überhaupt hat. In Sachen „geheime Verführer“ fehlt noch immer der rechtskräftige Beweis. gf