Von Frank Otte

Es ist ein Beruf im Werden, noch mit unklaren Konturen, einem schwer abzugrenzenden Tätigkeitsfeld, offen für neue Ideen und Techniken und mit einer jungen Tradition: der Beruf des Designers. Vor zwanzig Jahren hätten sich die meisten von ihnen noch als Textilentwerfer oder Schriftgestalter, als Modezeichner oder Innenarchitekt, als Produktgestalter oder Reklamezeichner, als Formgeber oder Gebrauchsgraphiker bezeichnet. Heute werden einem dehnbaren angelsächsischen Begriff Dutzende von Tätigkeiten untergeordnet.

Und bis vor einem halben Jahr wußte noch niemand genau zu sagen, wieviel Designer in Werbung, Industrie und Handwerk tätig sind; geschätzt wurden etwa sechstausend bis siebentausend. Jetzt haben Mitarbeiter des an der Fachhochschule Darmstadt erarbeiteten Modellversuchs „Neuorganisation der Studiengänge im Bereich Design“ herausgefunden, daß es rund 24 000 sind. Frühere Erhebungen hatten schlicht und einfach die sogenannten „Stylisten“ und Formgestalter vergessen, die stärker im kunsthandwerklichen Bereich arbeiten, zum Beispiel als Schmuckdesigner.

Verwirrend wie die Fülle von Tätigkeiten, die dem Begriff „Design“ untergeordnet werden, ist der Zugang zu dem Beruf. 28 Fachhochschulen, zwei Kunstakademien, acht Hochschulen (davon drei Gesamthochschulen) bilden den künftigen Designer in den drei Hauptrichtungen Graphik-, Textil- und Industrial-Design aus. Studiendauer und -inhalte, Zugangsvoraussetzungen und Abschlußprüfungen unterscheiden sich beträchtlich. Einige Schulen verlangen eine staatliche Abschlußprüfung, zu der Vertreter der vorgesetzten Behörden herangezogen werden. An anderen Schulen werden die Beurteilungen, zum Teil unter Mitspracherecht der Studentenvertreter, auf Grund der gesamten Leistungen während des Studiums und der Abschlußarbeit erteilt.

Abitur oder Fachhochschulreife sind zu unumgänglichen Eintrittsqualifikationen geworden. Ausnahmeregelungen gelten bei Nachweis einer künstlerischen Begabung, an Hochschulen inzwischen häufiger als an Fachhochschulen – ein Paradox, denn Fachhochschulen wurden, wie Gisela Brackert vom Deutschen Rat für Formgebung in Darmstadt schreibt, ursprünglich einmal gegründet, um dem begabten Praktiker ohne Abitur eine Ausbildung zu ermöglichen.

Der Wirrwarr der Ausbildungsstätten hat historische Gründe. Die meisten Fachhochschulen firmierten bis vor kurzem noch als Werkkunstschulen, die nach ihrer sachlichen Ausstattung und personellen Kapazität in erster Linie handwerklich orientiert waren und den Anschluß an das Industriezeitalter lediglich per Etikett und ministeriellem Erlaß fanden. Der rasante Prozeß der Umstrukturierung, in dem von 1970 an die Werkschulen in Fachhochschulen umgewandelt, Abschlußprüfungen überhaupt erst geschaffen und Lehrinhalte katalogisiert und revidiert wurden, ist noch nicht abgeschlossen.

Eine Konzentration der Ausbildungsplätze zeichnet sich vor allem in Nordrhein-Westfalen ab, neben Hessen das einzige Bundesland, bei dem auch Designstudenten den Weg über die Dortmunder Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen gehen müssen. Sechs Kunsthochschule – Berlin, Braunschweig, Kassel, Stuttgart, Hamburg und Offenbach – streben in einer ständigen Konferenz eine gewisse Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Studiengänge mit dem Abschluß als „Diplom-Designer“ an.