Sehr gelungen war dieser Auftakt zum Wahlkongreß der SPD nicht. Eine Woche vor dem Dortmunder Parteitag, auf dem sich die Sozialdemokraten als vertrauenswürdige Regierungspartei präsentieren wollen, haben einige ihrer Junioren des deutschen Bürgers liebste Reizparolen wieder entmottet: Investitionslenkung und Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien. Und das mit Unterstützung der Juso-Vorsitzenden Heidemarie Wieczorek-Zeul und gegen den dringlichen Rat ihres Vorgängers Wolf gang Roth.

Solche Beschlüsse, wie sie auf der Solinger „Sozialdemokratischen Fachkonferenz Jugend“ zustande kamen, sind auf dem Parteitag der erwachsenen SPD gewiß nicht zu erwarten. Zwar wird auch dort vom Sozialismus die Rede sein, aber der Begriff meint den ausgebauten Sozialstaat und knüpft nicht an die Ideen des Klassenkampfes an. Im Regierungsprogramm der SPD ist dafür kein Platz.

Das muß nicht bedeuten, daß die SPD sich in sprachloser Einigkeit um den Kanzler schart; auch in Dortmund wird für den genauen Beobachter die Bandbreite der Partei noch erkennbar sein. Die eigentliche Botschaft dieses Parteitags aber wird lauten: Partei und Kanzler sind eng zusammengerückt. Und alle Delegierten werden versuchen, die für den Wahlkampf so wichtige Handlungseinheit von Kanzler und – Partei zu demonstrieren – auch mit dem Ziel, solche Aktionen, wie die der Junioren von Solingen, möglichst schnell und gründlich in Vergessenheit geraten zu lassen. R.Z.