Das Ratespiel, wer – bei einer Wiederwahl der sozial-liberalen Koalition am 3. Oktober – in die Bonner Regierungsmannschaft aufsteigen könnte, beginnt zumeist beim Bundesverkehrsministerium. Denn der bisherige Amtsinhaber Kurt Gscheidle hat, nachdem er seit vielen Wochen in der Öffentlichkeit als Buhmann für praktisch alle wirklichen und vermeintlichen Fehler sozialdemokratischer Regierungsführung herhalten muß, nur noch geringe Chancen, erneut ins Kabinett einzurücken.

Als sein wahrscheinlichster Nachfolger gilt weithin der amtierende SPD-Bundesgeschäftsführer Holger Börner. Doch diese Erwartung könnte täuschen, denn Börner hat große Chancen, im kommenden Jahr als Nachfolger Albert Osswalds hessischer Ministerpräsident zu werden; anders als der auf dieses Amt spekulierende linke Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt könnte Börner nämlich dem freidemokratischen hessischen Koalitionspartner als neuer Regierungschef schmackhaft gemacht werden.

Der kommende Mann für das Bundesverkehrsministerium könnte demnach Volker Hauff heißen; Hauff ist derzeit noch Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Schon im Zuge der Regierungsumbildung des Jahres 1974 wurde Hauff, damals erst 34 Jahre alt, als ministrabel bezeichnet. Als Parlamentarischer Staatssekretär unter den Forschungsministern Horst Ehmke und Hans Matthöfer hat er sich in Bonn bisher einen hervorragenden Namen gemacht.

In jedem Fall würde freilich das Verkehrsministerium ein Himmelfahrtskommando sein. Denn im kommenden Jahr muß die Frage der Sanierung der Bundesbahn entschieden werden. Zwar ist schon jetzt ein Staatssekretärs-Ausschuß mit dem Thema befaßt; ihm gehören unter anderen Heinz Ruhnau vom Verkehrsministerium, Otto Schlecht vom Bundeswirtschaftsministerium und Karl Otto Pöhl vom Finanzministerium an. Doch vor der Wahl hat dieses Gremium nach den Worten eines seiner Mitglieder nur eines im Sinn: „Sehen, daß wir so schnell wie möglich wieder auseinanderkommen.“

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Unangefochten in seinem Amt dürfte – wiederum im Falle einer künftigen Mehrheit von SPD und FDP im Bundestag – Hans Apel als Bundesfinanzminister sein. Die Sozialdemokraten haben keinen Besseren als ihn, und die Freien Demokraten, die Otto Graf Lambsdorff anbieten könnten, werden wohl kaum mehr Kabinettsposten ergattern können, als sie bereits besitzen. Apel wäre auch, nach eigenen Angaben zähneknirschend, bereit, sein strapaziöses Amt erneut zu übernehmen. Nur unter einer Voraussetzung würde er, wie er jüngst auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung einem kleinen Kreis von Spitzenpolitikern und Wirtschaftlern erzählt hat, kneifen: Wenn die FDP darauf beharren würde, daß die Zuständigkeit für die Währungs- sowie die Geld- und Kreditpolitik wieder dem Wirtschaftsministerium zugeschlagen würde, wo sie ja schon früher ressortiert hat.

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