Am Ende der 13. Bundesligasaison ziehen die Bosse Bilanz. Symptomatisch für die Verfassung der Vereine sind die skeptischen Vorbehalte gerade bei den Präsidenten und Managern von Klubs, die Anlaß zum Feiern hätten: Borussia Mönchengladbach, zum viertenmal deutscher Meister geworden, Bayern München, zum drittenmal Gewinner des Europa-Cups der Landesmeister und der HSV, Teilnehmer des am 26. Juni in Frankfurt stattfindenden Pokalendspiels gegen Kaiserslautern.

Helmut Grashoff, Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach beklagt vor allem die fehlende Unterstützung durch die Stadt, die bei finanziellen Zuwendungen kulturellen Einrichtungen Priorität einräumt und somit den Ausbau des Bökelbergstadions blockiere. „Wir siegen uns zu Tode. Denn unser am Erfolg orientiertes Prämiensystem führt zu monatlichen Kosten in Höhe von etwa 400 000 Mark.“ Bei nur etwa 2500 Sitzplätzen in einem Stadion, das eine Kapazität von 35 000 Zuschauern besitzt, bedeutet das bei ausverkauftem Haus eine Einnahme von etwa 350 000 Mark.

Dabei rechnet man mit einem Kostenfaktor von etwa 40 Prozent der Bruttoeinnahmen, hervorgerufen durch Steuern, Stadionmiete, Ordnungsdienst und sonstigen Abgaben wie etwa der Anteil für den Deutschen Fußballbund (DFB). Bei 10 Nationalspielern – einschließlich der beiden Dänen Jensen und Simonsen –, die alle zu der Kategorie von Gehaltsempfängern gehören, deren Jahreseinkommen, rechnet man Handgelder, Gehälter und Prämien zusammen, nicht unter 150 000 Mark, bei einigen höher, liegt, bedeutet das den unaufhörlichen Zwang zum Erfolg. Denn nur er garantiert wiederum volle Stadien und somit gefüllte Kassen.

Das Hinspiel um den Europapokal gegen Real Madrid hatte das Präsidium auch aus diesem Grunde ins Rheinstadion nach Düsseldorf verlegt. Die Rekordeinnahme von über eine Million Mark zeigte, daß allein durch die Tatsache unterschiedlicher Stadien hinsichtlich Größe und Ausstattung – so Helmut Grashoff – „eine Wettbewerbsverzerrung“ entstanden sei. Der HSV nahm in der vergangenen Saison etwa 10 Millionen Mark ein – das Stadion wirkte Wunder. Die Symptome dieser Krise machten sich bei Mönchengladbach schon bemerkbar: Henning Jensen, der Däne, möchte trotz des sportlichen Erfolges – des größeren Verdienstes wegen – zu einem anderen Verein. Auch Rainer Bonhof, der zusammen mit Vogts dominierende Nationalspieler, sucht potentere Geldgeber. Doch die für ihn vom Verein innerhalb Deutschlands auf 1,2 Millionen festgelegte Ablösesumme schreckt die Branche. Im Ausland verlangt der Verein sogar für beide je 2,5 Millionen Mark.

Denn mindestens 20 Prozent dieser Summe müßte zusätzlich an die Spieler als Handgeld gezahlt werden. Für Helmut Grashoff würde das aber außerdem einen sportlichen Ausverkauf bedeuten, der vor allem im Hinblick auf die kommenden internationalen Spiele um den Europapokal Glanz und Gloria des Vereins gefährden könnte. So heißt die Parole für die Zukunft gezielte und systematische Talentsichtung und -förderung. Dr. Krohn beim HSV in Hamburg bekannte sich nach vielen Irrwegen auch zu diesem Prinzip, ebenso wie Dettmar Cramer in München.

Für beide ist unumstritten, daß in den nächsten Jahren der Schwerpunkt der Arbeit innerhalb des Vereins einer Jugendleistungsgruppe gelten muß. Über 100 000 Mark jährlich läßt sich der HSV dieses Konzept kosten, weil nur durch solche Konzentrierung eine erfolgreiche – allerdings nur im Hinblick auf die Ergänzung der Profifußballer – Arbeit möglich ist. Nachdem auch in München durch den Gewinn des Europapokals die Teilnahme am internationalen Geschäft gesichert ist, hat Dettmar Cramer freie Hand, die Aufbauarbeit mit jungen Leuten zu systematisieren.

„Du weißt aus Deiner Zeit, wie früh man anfangen muß. Allerdings gehört auch dazu, daß wir uns in den anderen Bundesländern umsehen“ – Dettmar Cramer glaubt an die Attraktivität seines Vereins und dessen finanzielle Möglichkeiten. „Auch wir investieren eine entsprechende Summe wie der HSV.“ In diesen beiden Vereinen wie auch in Mönchengladbach kommt außerdem das Problem der Altersstruktur hinzu: Beckenbauer, Maier, Müller in München, Heynckes, Vogts, Kleff in Mönchengladbach, Blankenburg, Volkert, Zaczyk in Hamburg, um nur einige zu nennen, werden oder sind schon 30 Jahre alt – im Hochleistungsfußball die magische Grenze.