Von Jes Rau

Es hätte nur noch gefehlt, daß der Gouverneur von Alaska VW-Chef Toni Schmücker einen leerstehenden Iglu angeboten hätte als Produktionsstätte für den Wolfsburger „Rabbit“ („Golf“); ansonsten wollten fast alle US-Staaten die deutschen Autobauer mit mehr oder minder verlockenden Angeboten in ihre Grenzen locken. Seitdem bekannt ist, daß Pennsylvaniens Gouverneur Milton J. Shapp seinen Rivalen James Rhodes aus Ohio im Finish des VW-Kaninchenrennens abgehängt hatte, schleppt der Briefträger in New Stanton bei Pittsburgh, dem zukünftigen „Rabbitburg“, täglich Waschkörbe voll von Briefen mit Stellengesuchen zu Chryslers leerstehender Autofabrik, in der im Herbst nächsten Jahres die VW-Produktion anlaufen soll.

Umworben von Gouverneuren und Bürgermeistern, bestürmt von Arbeitssuchenden sind nicht nur das Volkswagenwerk, sondern alle ausländischen Investoren, die Arbeitsplätze mitzubringen versprechen. Sind ausländische Investoren also hochwillkommen in den USA? „Ja und nein“, antwortet Werner Walbröl, der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer. „Auf der einen Seite scheinen manche Amerikaner geradezu Wunder Wirkungen von den Investitionen der Ausländer gegen die chronische Arbeitslosigkeit in vielen Regionen zu erwarten. Andererseits machen sich die ersten Anzeichen einer Allergie gegen die ausländischen Investitionen bemerkbar.“

Ein frühes Beispiel für diese Allergie war die sogenannte „japanische Invasion“ von Hawaii, womit die massiven Investitionen japanischer Geldgeber in Hotels und Freizeiteinrichtungen auf der Südseeinsel gemeint sind, die auf den Widerstand der dortigen Bevölkerung stießen. Hawaiis demokratischen Senator Daniel K. Inouye hat die Erfahrung mit den fernöstlichen Geldgebern zu einem der entschiedensten Verfechter strikter Kapitalkontrollen im amerikanischen Kongreß gemacht.

Druck auf Rothschild

Einen Sturm der Entrüstung riefen 1974 im US-Bundesstaat Iowa die Aufkäufe von Farmen durch (zumeist abwesende) deutsche, belgische und japanische Industrielle hervor. Daraufhin beschloß das Parlament von Iowa ein Gesetz, das den Aufkauf von Landwirtschaften durch Ausländer meldepflichtig macht.

Wie groß das Mißtrauen gegen „die Ausländer“ ist, wurde erst vor kurzem wieder deutlich bei der Übernahme der Copperweld Corp., einem Hersteller von Spezialstahl mit Fabriken in Ohio und Pennsylvanien, durch die französische Rothschild-Gruppe. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes „unfriendly takeover“, also den Aufkauf der Aktienmehrheit gegen den Willen der Geschäftsleitung, wie er in Amerika oft vorkommt. Den Copperweld-Bossen gelang es ohne Schwierigkeiten, den Widerstand der Belegschaft gegen den Aufkauf zu mobilisieren und die regionale Presse und die Politiker gegen die französischen Eindringlinge aufzustacheln.