Von René Drommert

Das war wohl leichtsinnig: die Einladung überhaupt anzunehmen. Ich wurde aufgefordert, mit einem Wohnwagen, Trailer genannt (die offizielle Bezeichnung lautet „House Vehicle“), zwecks Information und Vergnügen durch amerikanische Staaten zu fahren, von Dayton in Ohio nach Süden, durch Tennessee und Georgia nach Florida, wieder nach Georgia, durch North Carolina und Virginia nach Washington.

Ein pures Amüsement? Zunächst überhaupt nicht. Ich kannte weder das Auto, einen Chrysler Cordoba, Baujahr 1976, noch den Anhänger, einen mächtigen silberglänzenden „Airstream“. Das Auto war ganz anders konstruiert als die Wagen, die ich sonst gefahren hatte. Fährt man zum Beispiel eine bestimmte, konstante Geschwindigkeit, etwa 55 Meilen die Stunde, die in den USA zugelassene Höchstgeschwindigkeit, so kann man diese Geschwindigkeit mit ein paar Griffen fixieren, man braucht gar nicht mehr den Gashebel zu berühren. Tritt man auf den oberen Teil der Fußbremse, dann bremst nur der Trailer, tritt man unten, dann bremsen beide Fahrzeuge zugleich.

Und anderes mehr. Ich kannte nicht einmal das Treiben auf amerikanischen Autostraßen, war in der ersten Stunde etwas irritiert durch die Myriaden großer Reklametafeln und überrascht vom guten Stil der meisten Autofahrer, von ihrer Rücksicht. Daß man bei Rot, falls die Straße frei ist, nach rechts einbiegen darf, war mir neu. Aber das gilt, zum Kuckuck, in einigen Staaten der USA, in anderen nicht. In welchen? Und in welchem Staat befindest du dich eigentlich gerade?

Nun aber losgefahren. Ich habe Termine und genaue Stundenpläne. Die müssen unbedingt eingehalten werden.

In den paar Wochen meiner Reise: keine Hotelsorgen. Das Hotel, einen Stromlinienwagen, zog ich ja hinter mir her, einen Wagen mit zwei breiten, zweischläfrigen Betten, mit Koch- und Backherd, mit Kühlschrank und Eisfach, mit WC und Dusche, mit Ventilator und Radioapparat und vier großen Beleuchtungskörpern; wenn man die voll einschaltete, gab es im Trailer sogar eine Art Festbeleuchtung. Nach ein paar Nächten fühlt man sich schon heimisch in seinen vier Wänden. Abends fuhr ich auf einen Campingplatz, auf eine Anhöhe vielleicht mit schütterem Wäldchen, in eine Talmulde oder an die Küste, wie in Florida. Ich hatte mir das anders vorgestellt, romantischer, mit mehr Gemeinschaftsgeist und Kommunikation zwischen einzelnen Trailer-Bewohnern. Aber es herrscht allenfalls (durchaus sympathische) Sachlichkeit. Und oft Alkoholverbot. Was niemanden etwa daran hindert, einen Bourbon oder Scotch „on the rocks“ oder pur oder sonstwie zu süffeln. Mich auch nicht.

Auf den Campingplätzen findet man, wenn man Glück hat, drei Haupteinrichtungen: einen Anschluß für elektrischen Strom (vorübergehend kommt man auch mit Batterieversorgung aus), Trinkwasseranschluß und eine Kloake. Und einen Behälter für Müll. Zuweilen, das erlebte ich an der Küste von Florida, nichts als einen Müllkasten.