• Herr Minister, kurz bevor sich Hamburg entschloß, gut zwanzig Prozent der Anteile bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm zu erwerben, hat Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs alle Beteiligten gebeten, vor Erwerb von Blohm-Anteilen das ganze Thema noch einmal gemeinsam zu diskutieren. Ist die bayerische Staatsregierung überrascht worden?

Huber: Ja. Bundeswirtschaftsminister Friderichs hatte mich nachdrücklich gebeten, vor einem in Aussicht gestellten Round-Table-Gespräch mit der Industrie keine Tatsachen zu schaffen, die die Firma Bosch veranlassen könnte, ihr Erwerbsinteresse aufzugeben. In der Stunde, in der dieses Gespräch bei mir stattfand, wurde der Vertragsabschluß durch Hamburg bekannt.

  • Glauben Sie, daß sich Hamburg über den Wunsch von Friderichs hinweggesetzt hat, oder daß es letztlich doch zu einem Konsensus zwischen Bonn und Hamburg gekommen ist? Gibt es Ihrer Meinung nach unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Bundesregierung?

Huber: Inwieweit Absprachen zwischen Bonn und Hamburg bestehen, ist mir nicht bekannt. Ob es der Bundesregierung gelungen ist, einen entsprechenden Einfluß auf Hamburg geltend zu machen, wird sich erst zeigen, wenn Hamburg sich tatsächlich wieder von den Blohm-Anteilen trennen sollte. Welche unterschiedlichen Auffassungen es innerhalb der Bundesregierung gibt, will ich derzeit nicht beurteilen. Den Pressemeldungen der letzten Tage zufolge scheint es sie zu geben, wobei offensichtlich landsmannschaftliche Bindungen doch ein erhebliches Gewicht haben.

  • Was wird das bayerische Kabinett nun tun? Wird man den nach der MBB-Satzung bis Ende 1979 möglichen Widerspruch gegen den Kauf durch Hamburg einlegen oder versuchen, sich friedlich mit Hamburg zu einigen?

Huber: Bayern wird nach genauem Studium der bisher noch nicht vorliegenden Unterlagen über den Hamburger Schritt seine weitere Haltung festlegen. Demnächst ist ein Gespräch zwischen mir und Wirtschaftssenator Nölling vorgesehen, bei dem ich mehr über die Absichten Hamburgs zu erfahren hoffe. Im übrigen geht es hier nicht um eine Einigung zwischen Bayern und Hamburg, sondern allein zwischen den Blohms und den übrigen Gesellschaftern.

  • Ist Bayern nach wie vor daran interessiert, seine MBB-Quote auf eine Sperrminorität von 20 Prozent aufzustocken und eventuell Ludwig Bölkow einen Teil seines MBB-Besitzes abzukaufen? Wäre der Kurs von 490 Prozent, den Hamburg den Blohms gezahlt hat, dabei angemessen?