Der Krieg im Libanon: Syriens Panzer kamen nicht bis in die Hauptstadt

Von Andreas Kohlschütter

Beirut, im Juni

Einst wurde hier mit Hotelbetten, Immobilien und Aktien gehandelt, heute nur noch mit Waffenstillständen. Sie sind das letzte Wegwerfprodukt dieses zum Wegwerfstaat degenerierten und verdammten Landes. Gleichsam die letzten Zuckungen des Playboy Libanon von gestern, der sich am Ende selber umbrachte, weil er sogar seines Überflusses überdrüssig wurde.

Rund vierzig Waffenstillstände made in Lebanon säumen die vierzehn Monate lange Blutspur, die der hier wütende Bürgerkrieg landauf, landab gezogen hat. Seit die syrischen Truppen in der Nacht des 31. Mai zu ihrem diesmal massiven Invasionsstoß ansetzten, ist das Angebot bereits um zwei neue Waffenstillstände reicher geworden.

Letzten Donnerstag wurde in Kairo von der Arabischen Liga ein erster Waffenstillstand in der jetzt angebrochenen syrischen Ära des Libanon deklariert. Kaum daß die Tinte trocken war, ließ Assad seine Panzer weiterrollen und seine Kanonen weiterschießen.

Am Freitagabend folgte dann Akt Nummer zwei des neu-alten Trauerspiels. Die Szene spielte diesmal in Damaskus und Beirut. Hauptakteur war der libysche Ministerpräsident Jalloud. Sein Auftritt galt der Einigung auf einen weiteren Waffenstillstand zwischen den Syrern und der libanesisch-palästinensischen Linksfront, insbesondere dem zuerst teilweisen, dann vollständigen Rückzug der syrischen Truppen.