Sehenswert

„Das Privatleben des Sherlock Holmes“ von Billy Wilder, 1970 als Reaktion auf die James-Bond-Hysterie gedreht. Wilders Co-Autor I. A. L. Diamond hat gesagt, man habe dieser Viktorianischen Elegie das Tempo einer Postkutsche und nicht das eines Maserati geben wollen. Wilders Sherlock Holmes ist denn auch ein Anti-Bond par excellence ein kultivierter décadent, der seine existentielle Langeweile durch Kokain zu mildern sucht, ein melancholischer Gentleman, der im schottischen Hochland einer schönen deutschen Spionin verfällt und die Lösung des Rätsels vonLoch Ness seinem Bruder Mycroft überlassen muß. „Das Privatleben des Sherlock Holmes“, einer der wenigen kommerziellen Mißerfolge des Regisseurs von „Sunset Boulevard“ und „Das Apartment“, zeigt einen Billy Wilder, der dem aggressiven Witz seiner großen Komödien abgeschworen hat, der ganz sanft und traurig den welken Charme einer verlorenen Epoche beschreibt. Im Rahmen einer kleinen Retrospektive zu Billy Wilders 70. Geburtstag am 22. Juni zeigt das ZDF den Film als deutsche Erstaufführung. (ZDF, 21. Juni)

Beachtlich

„Der Halunke“ von Claude Chabrol lief vor zwei Jahren unter seinem richtigen Titel „Doktor Popaul“ bei uns im Fernsehen. Der Verleih leistet sich wieder einmal das Bubenstück, diese Tatsache schlicht zu unterschlagen, und setzt mit einer neuen, sogar halbwegs brauchbaren Synchronfassung auf die gegenwärtige Belmondo-Renaissance („Der Unverbesserliche“, „Der Greifer“), die uns demnächst sogar Philippe de Brocas gute alte „Abenteuer in Rio“ als „Der Unwiderstehliche“ bescheren wird. „Doktor Popaul“, 1972 im Anschluß an die Serie subtilbösartiger Sittenbilder aus der bürgerlichen Welt von „Die untreue Frau“ bis „Vor Anbruch der Nacht“ gedreht, gehört nicht zu den Hauptwerken Claude Chabrols. Man merkt der grellen Groteske um einen Mediziner mit mörderischen Neigungen und einer Schwäche für häßliche Mädchen die Anstrengung des Regisseurs an, einen neuen Erzählstil zu finden, aber wie etwas später bei „Nada“ bleibt das Ergebnis höchst zwiespältig.

Ärgerlich

„Potato Fritz“ von Peter Schamoni. Ein Vorspanntitel wie „Musik: Udo Jürgens und Anton Dvořák“ stimmt bereits mißtrauisch, aber es kommt alles noch viel schlimmer. Der älteste der filmenden Schamoni-Brüder, dem vor zehn Jahren mit „Schonzeit für Füchse“ ein respektables Debüt gelang, leistet sich hier einen Germano-Western, der gleichermaßen von einschlägigen Karl-May-Freilichtfestspielen wie von der bekannten Wildwest-Reklame der Langnese-Eiscreme-Werbung beeinflußt scheint. Mit zähnefletschendem Pathos poltern Chargen durch die ewig sonnige Landschaft Spaniens: rührende Opfer einer Regiekonzeption, die mit bemerkenswerter Konsequenz keinen inszenatorischen Fehler ausläßt, die mit Elan permanent in die Schlaglöcher des wahnwitzig wirr konstruierten Drehbuchs tappt. Als unfreiwillige Parodie einer Parodie mag das Werk gewisse makabre Reize besitzen, doch der Normalverbraucher wendet sich mit Grausen.

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