DIE ZEIT

Erfolg mit Lücken

Befangen und spröde hatte die fünftägige Visite Edward Giereks in der Bundesrepublik begonnen, gelöst und geschmeidig ging sie zu Ende.

Fall Weinhold: gleiches Recht?

Der Essener Oberstaatsanwalt Gerhard Lindenberg ist ein tüchtiger und unbefangener Mann; er leidet nicht unter der Horizontenge mancher seiner Berufskollegen.

Delikate Mission

Der Finnland-Besuch des Bundespräsidenten in dieser Woche ist frei von echten Belastungen. Außer einem großen Defizit der Finnen im Handel mit der Bundesrepublik und dem Rückgang des Deutschunterrichtes an finnischen Schulen gibt es keine bilateralen Probleme.

Ein Schicksalstag für Ost und West

Am Abend des kommenden Sonntag werden in aller Welt die Politiker und Kommentatoren, und wen immer das politische Geschehen unserer Zeit bewegt, dem Ergebnis der italienischen Wahlen entgegenfiebern.

Aufmüpfige Junioren

Sehr gelungen war dieser Auftakt zum Wahlkongreß der SPD nicht. Eine Woche vor dem Dortmunder Parteitag, auf dem sich die Sozialdemokraten als vertrauenswürdige Regierungspartei präsentieren wollen, haben einige ihrer Junioren des deutschen Bürgers liebste Reizparolen wieder entmottet: Investitionslenkung und Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien.

Zeitspiegel

„Zum zweitenmal innerhalb einer Woche sind westdeutsche Sportbootfahrer auf der Elbe von ‚DDR‘-Soldaten mit Waffengewalt auf das Ostufer des Flusses gezwungen und dort festgenommen worden“; das Boot habe sich „in der Nähe von Horst (,DDR’) den Buhnenköpfen am Ostufer genähert“ („Welt“ vom 14.

Worte der Woche

„Wenn wir es mit der Integration Europas ernst meinen, dann sind innenpolitische Vorgänge in anderen EG-Ländern auf die Dauer nicht mehr durch klar aufrechterhaltene Wasserscheiden als rein nationale Angelegenheiten zu betrachten.

Es gibt wieder Brot – aber auch Frieden?

Einst wurde hier mit Hotelbetten, Immobilien und Aktien gehandelt, heute nur noch mit Waffenstillständen. Sie sind das letzte Wegwerfprodukt dieses zum Wegwerfstaat degenerierten und verdammten Landes.

Am Rande des Ruins

Es ist einer jener römischen Abende, an denen sich milde, schwere Luft über die Stadt legt. Der Verkehrslärm ebbt ab, so daß in den engen Gassen, wo man die Stühle vor die Tür stellt, das herzhaft laute Gespräch der Leute hörbar wird, auch ihre gar nicht verächtliche, eher witzige Bitterkeit.

Hindernislauf zu den Reformen

Die Situation ist so grotesk wie gefährlich. Politische Parteien sind in Spanien seit der vorigen Woche gesetzlich erlaubt, dagegen bleiben die Organisation, die Werbung von Mitgliedern und das öffentliche Eintreten für Parteien weiterhin verboten und mit empfindlichen Freiheitsstrafen bedroht.

Später Abschied von De Gaulles Strategie

Die Kontroverse über die Thesen des französischen Generalstabschefs Méry zur Nationalen Verteidigung Frankreichs scheint die erste große Debatte über die Militärpolitik der Fünften Republik in Gang zu bringen.

Der Leopard auf dem Laufsteg

Bundesverteidigungsminister Georg Leber gab sich bescheiden. Als er am Freitag letzter Woche während der Nato-Konferenz in Brüssel gemeinsam mit seinem kanadischen Kollegen James Richardson kundtat, Kanada werde 128 deutsche Kampfpanzer "Leopard" für seine in der Bundesrepublik stationierten Truppen erwerben, ließ er die Zukunft offen: "über die nächste Panzergeneration streben wir eine Verständigung in der Allianz an.

Agenten-Groteske

Die Berliner Spionage-Affäre hat mehr komische als ernsthafte Seiten. Irgendwie ist der Verfassungsschutz auf Kathryn Burger gestoßen, eine Pressesekretärin bei der Gewerkschaft ÖTV.

Endlose Nacht der Diktatur

Als vor genau einem Jahr Indira Gandhi korrupter Wahlpraktiken für schuldig befunden wurde, ahnten ihre Richter nicht, daß dieser Spruch der Willkür Tür und Tor öffnen würde: Knapp zwei Wochen später hatte Indiens Premierministerin den Notstand ausgerufen, um die Macht nicht abgeben zu müssen.

Endspurt mit Einlagen

Im deutsch-sowjetischen Verhältnis werden Nadelstiche und kleine Konfrontationen immer mehr zur Regel. Das Auftreten des Bundespräsidenten und des Außenministers auf dem Chorfest des Sängerbundes in Westberlin veranlaßte die Sowjets zu der spitzen Bemerkung, dies ähnele schon einem Staatsbesuch in einem anderen Land.

Machtwechsel in Uruguay

Fast unbemerkt und ohne jeden Zwischenfall hat das uruguayische Militär am vorigen Wochenende den amtierenden Präsidenten Juan Maria Bordaberry abgesetzt – angeblich, weil er sich einer Demokratisierung widersetzt hat.

Wieder uneinig über den KP-Gipfel

Auch die angeblich letzte Redaktionssitzung zur Vorbereitung einer Konferenz der europäischen kommunistischen Parteien hat bisher kein greifbares Ergebnis; sie wurde erst einmal unterbrochen.

Schülers Schützenhilfe

Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Manfred Schüler, gab dem Hamburger Magazin „Stern“ Schützenhilfe. Auf Anfragen der CDU/CSU-Opposition zum Komplex Nouhuys/stern erklärt der Staatssekretär: „Immerhin gibt es konkrete Anhaltspunkte dafür, daß Herr van Nouhuys jedenfalls in den fünfziger Jahren sowohl für östliche wie für westliche Nachrichtendienste gearbeitet hat.

Hehler oder Helden?

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen zwei junge Männer, die drei dieser Geräte demontiert haben, wegen Diebstahls von Grenzsicherungsanlagen der DDR, Hehlerei und Verstoß gegen das Waffengesetz.

BMW jagt Daimler

Paul Hahnemann, einstmals enfant terrible der deutschen Automobilindustrie, urteilte wie immer drastisch: „Mit dem Arsch, den der hat, wäre er bei mir nicht vom Band gelaufen.

Keine Hilfe für die Lohnpolitik?

Alle Welt redet seit nunmehr gut einem halben Jahr über ein Thema, das zuvor zwei Jahrzehnte lang vielen als bewährter politischer Langweiler galt: die betriebliche Vermögensbeteiligung der Arbeitnehmer.

Ärgernis

Obwohl sich die Japaner, um die es dabei vor allem ging, zu einem freiwilligen Selbstbeschränkungsabkommen durchgerungen haben, hat Washington seit Anfang der Woche die Einfuhren von Edel- und Spezialstahl für drei Jahre kontingentiert.

Marshall-Plan im Kleinformat

Um ein Haar wären beim Besuch des polnischen Parteichefs Gierek in Bonn nicht vierzehn, sondern fünfzehn Abkommen unterzeichnet worden.

Alkohol-Regeln

Zum zweitenmal hat sich nun eine Branche der Konsumgüterindustrie dazu durchgerungen, ihre Werbung freiwillig einzuengen. „Um jeden Mißbrauch in der Werbung von vornherein zu verhindern“, haben Hersteller, Importeure und Werbewirtschaft „Verhaltensregeln über die Werbung für alkoholische Getränke“ verabschiedet und in Kraft gesetzt.

Volkes Stimme

Sollen wir mit Fingern auf die Eidgenossen zeigen? Sie haben es am letzten Sonntag in einem Referendum abgelehnt, daß ihre Regierung der International Development Association (IDA), einer Tochter der Weltbank, 200 Millionen Franken leiht.

BONNER KULISSE

Das Ratespiel, wer – bei einer Wiederwahl der sozial-liberalen Koalition am 3. Oktober – in die Bonner Regierungsmannschaft aufsteigen könnte, beginnt zumeist beim Bundesverkehrsministerium.

Gewerkschaften: Krieg unter den Kollegen

Witze mit Mäusen sind Legion. Beispielsweise: Eine Maus sitzt im Kino. Da kommt ein Elefant und setzt sich genau vor sie. Die Maus huscht zwei Reihen nach vorn und setzt sich nun ihrerseits genau vor den Elefanten.

Wahlkampf auf Pump

Zum erstenmal muß Conrad Ahlers, seit 1972 Bundestagsabgeordneter der SPD für den Wahlkreis Bad Kreuznach, ohne Platzvorteil kämpfen.

Millionäre im Sportdreß

Sport ist ein schönes Hobby. Auch Walther McCormack weiß das. Er freut sich, wenn es anderen Spaß macht; wenn sie Erfolg haben, ist er glücklich.

Wenig Geld für viele Länder

Was auf der Welthandelskonferenz in Nairobi so heftig umstritten war, wird die Europäische Gemeinschaft in den nächsten Wochen zum erstenmal in der Praxis erproben: die Stabilisierung der Exporterlöse von Entwicklungsländern.

Ein Korb voller Schulden

In dem gereizten politischen Klima Großbritanniens wird der Ton zwischen der Labourregierung und der konservativen Opposition immer kriegerischer.

Verdienen an der Freizeit

Helmut Thoma, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG), sagte, wie es ist: „Während die Politiker von Aufschwung und Konjunkturfrühling reden, kann der Einzelhandel nicht einmal ein Frühlingserwachen feststellen.

Alle unter einem Dach

Es ging um den Neubau der Produktions- und Verwaltungsgebäude für den „Bereich Relais“ des schwedischen Elektrokonzerns ASEA in Västerås.

ZEIT spart Geld

Das wohl attraktivste Sparbuch verkauft derzeit die Spar- und Darlehnskasse Mark-Oderberg in Meinerzhagen. Während die Konkurrenz fast ausschließlich Minizinsen von 3,5 Prozent auf Spareinlagen gewährt, bietet die Sparkasse dieser Stadt im ersten Jahr einen Zins von 4,5 Prozent.

Neuerscheinungen: Mehr leisten

Nicht oft haben Autoren die Möglichkeit, ihre Forderungen durchzusetzen. Birgit Breuel hat sie. Nach einigen Jahren als wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft wird sie im Oktober in den Bundestag einziehen.

Aus Unternehmungen

In ihrem 85. Lebensjahr mußte die Deutsche Esso AG ihr schlechtestes Ergebnis präsentieren. An jeder Tonne Mineralöl verlor sie rund 20 Mark.

Designer: Am Bedarf vorbeistudiert

Es ist ein Beruf im Werden, noch mit unklaren Konturen, einem schwer abzugrenzenden Tätigkeitsfeld, offen für neue Ideen und Techniken und mit einer jungen Tradition: der Beruf des Designers.

Manager und Märkte

Wer hat Angst vor der SEC? Selbst Daimler-Benz. Die Rigorosität und der unermeßliche Wissensdurst der amerikanischen Börsenaufsichts-Behörde Security and Exchange Commission ließen die Stuttgarter, die die Einführung ihrer Aktien auf ausländischem Börsenparkett vorbereiten, an die Wall Street erst gar nicht denken.

Teure Vitamine

Fast 1,1 Millionen Mark Geldbuße soll der Schweizer Pharma-Konzern Hoffmann-La Roche wegen Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln des Gemeinsamen Marktes zahlen.

Steile Treppe

Als die Sparförderung 1965 eingeführt wurde, hat sich Bonn damit beruhigt, daß sie ja nur zwei Milliarden Mark im Jahr kosten würde.

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