Von Georg Jappe

Wer schrieb den Text zu Schuberts „Forelle“? Wer lieferte den Stoff zu Schillers „Räubern“? Wen bewunderte der junge Hölderlin? Auf wen griff Büchners Parole zurück: „Krieg den Palästen – Friede den Hütten“? Wer war als politischer Journalist Vorläufer voll Börne und Heine, als Ein-Mann-Zeitschrift Vorbild für Kleist und Karl Kraus? All das und manches mehr ging von Christian Friedrich Daniel Schubart aus, von dem allgemein nur dumpf in Erinnerung ist, daß er im Kerker schmachtete.

Gleich zwei Ausgaben suchen nun Schubart aus dem Schattendasein von Antiquariaten und Bibliotheken herauszuholen. Die eine, schmal, bibliophil, von einladendem Schriftbild, durch die Ausstattung mit zahlreichen Stichen und faksimilierten Dokumenten auch nicht teuer zu nennen –

Christian Friedrich Daniel Schubart: „Strophen für die Freiheit“, eine Auswahl aus den Werken und Briefen, herausgegeben und eingeleitet von Peter Härtling; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1976; 98 S., 34,– DM,

die andere in vier gedrungenen Bänden der erste vollständige Neudruck von Schubarts Hauptwerk –

„Deutsche Chronik auf das Jahr 1774–1777“, herausgegeben von Christian Friedrich Daniel Schubart, mit einem Nachwort herausgegeben von Hans Krauss; Faksimiledruck, Deutsche Neudrucke, Reihe: Goethezeit; Verlag Lambert Schneider, Heidelberg, 1976; 4 Bände zu 720, 848, 847 S., 260,– DM.

Sehr anschaulich schildert Peter Härtling den flackernden, wetterwendischen Lebenslauf dieses ebenso genialischen wie hemmungslosen, ebenso rebellischen wie devoten Geistes, der heute die Gesellschaft mit artigen Klavierkompositionen begeistert und morgen mit Ausschreitungen im Suff schockiert, der heute rücksichtslos sein Weib betteln läßt und morgen reueknirschend Gott sucht, der in der einen Ausgabe mutig bis zur Tollkühnheit schreibt, was er in der nächsten Ausgabe kratzfüßelnd widerruft.