Die Air France fliegt mit ihrem Überschall-Jet Concorde, aber auch auf vielen ihrer Unterschall-Linien mit Verlust. Frankreichs Regierung läßt sich Luftgeltung viel kosten.

Auf den ersten Blick sind es lauter Erfolge, die die Air France für die ersten vier Monate dieses Jahres präsentiert: Auf mittleren Strecken nahm die Zahl der Passagiere im Vergleich zu 1975 um 12,5 Prozent zu, auf langen Strecken um vier Prozent. Und das Überschallflugzeug Concorde ist beim Flug Paris–Rio de Janeiro zu 70 Prozent ausgelastet. Doch eines übergeht die französische Staatsgesellschaft: den Verlust.

Im vergangenen Jahr machte die Air France nämlich ein Defizit von 350 Millionen Francs (bei einem Umsatz von 6,6 Milliarden). Dabei können die Luftlinien-Manager mit vollem Recht behaupten, daran sei zum größten Teil die Regierung schuld. So möchte die Air France endlich ihre 27 Jets vom Typ Caravelle einmotten. Das Mittelstrecken-Flugzeug verbraucht ein Drittel mehr Treibstoff als die vergleichbare Boeing 727. Doch die Regierung sperrt sich gegen den Ersatz aus USA: In ein paar Jahren hofft nämlich der französische Flugzeugbauer Dassault, seine (bisher fast unverkäufliche) Mercure so umgebaut zu haben, daß sie die Caravelle ersetzen kann. In der Zwischenzeit muß Air France die Mehrkosten von etwa 90 Millionen Francs im Jahr tragen.

Daß die Concorde noch keinen Gewinn einfliegt, ist kein Geheimnis. Aber auch andere staatlich verordnete, aber unrentable Prestige-Linien – wie etwa nach Peking – machen der Air France schwer zu schaffen. Und schließlich wird auch der Umzug der Staatslinie vom Flughafen Orly nach Roissy 1976 eine Mehrbelastung von 200 Millionen Francs bringen. Zudem ist Roissy beim Publikum unbeliebt, weshalb viele Fluggäste auf ausländische Gesellschaften umgestiegen sind. Seit Beginn dieses Monats ist Roissy allerdings für Eilige attraktiver geworden: Alle Viertelstunde verkehrt ein Zug zum Pariser Nordbahnhof. Die Anfahrt ist damit auf eine halbe Stunde verkürzt. smi