Von Heinz Michaels

Witze mit Mäusen sind Legion. Beispielsweise: Eine Maus sitzt im Kino. Da kommt ein Elefant und setzt sich genau vor sie. Die Maus huscht zwei Reihen nach vorn und setzt sich nun ihrerseits genau vor den Elefanten. Nach einer Weile dreht sie sich um: „Nicht wahr, es ist ärgerlich, wenn sich jemand vor einen setzt?“

Heinz Kluncker, gewichtiger Vorsitzender der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), vergleicht sich nicht mit einem Elefanten. Er sieht sich vielmehr als ein Pferd, das allein einen Karren ziehen muß. Nach den Lohnverhandlungen im öffentlichen Dienst im Frühjahr dieses Jahres meinte er im Hinblick auf seinen langjährigen Mitstreiter Heinz Groteguth, Vorstandsmitglied der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG): Er frage sich, „ob eine Maus und ein Pferd gemeinsam an eine Deichsel gespannt werden können“.

Kluncker hat damit eingeleitet, was der ÖTV-Kongreß in dieser Woche in Hamburg vollziehen wird: den offenen Bruch mit der DAG. Sozusagen als Ouvertüre machten in den letzten Wochen ÖTV-Funktionäre in Baden-Württemberg schon nicht mehr gemeinsame Sache mit der DAG.

Als daraufhin in den Zeitungen zu lesen war, daß die Verhandlungs- oder Tarifgemeinschaften mit den DGB-Gewerkschaften zerbrochen seien, meinte ein DAG-Funktionär bitter: „Eine Gemeinschaft bilden doch immer nur Freunde.“ Freunde waren der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft jedoch nie.

Das datiert zurück bis in die Gründungszeit der beiden Organisationen. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Gewerkschafter wieder sammelten, fanden sich die Angestellten, die früher im Handlungsgehilfenverband und ähnlichen Gruppen organisiert waren, in gesonderten Angestelltengewerkschaften zusammen. Dabei feierte man es als einen Triumph, daß „die gewerkschaftliche Zersplitterung der Angestellten von vor 1933 in 91 Verbände und drei politische Richtungen endgültig überwunden“ war; so der heutige DAG-Vorsitzende Hermann Brandt.

Gleichzeitig baute der Gewerkschaftsveteran Hans Böckler jedoch einen Gewerkschaftsbund auf, in dem ebenfalls die Trennung der Arbeiterschaft in christliche, sozialistische und sonstige Gewerkschaften aufgehoben war. Auch die Angestellten sollten in dieser Organisation ihren Platz haben.