Von Frank Otte

Sport ist ein schönes Hobby. Auch Walther McCormack weiß das. Er freut sich, wenn es anderen Spaß macht; wenn sie Erfolg haben, ist er glücklich. So glücklich, daß er den Erfolgreichen viel Geld verspricht, wenn sie ihr Hobby weiter betreiben. Auf Weltrekorde und Goldmedaillen kommt es ihm dann nicht mehr an; sie sind Vorbedingung, um mit dem cleveren Amerikaner ins Geschäft zu kommen.

Die Sportler brauchen lediglich Lobendes zu sagen: Welchen Tennisschläger sie am liebsten schwingen, mit welchen Schuhen oder Skiern sie Rekorde gelaufen sind. Die Fabrikanten zahlen den Athleten dafür Hunderttausende, ja Millionen von Dollar, und Walther McCormack kassiert seine Provision. Schon 16 Jahre betreibt der nun 46 Jahre alte Werbemanager dieses Geschäft. Rund 140 Profis hat seine in Cleveland ansässige Firma „International Management Corporation unter Vertrag, darunter so bekannte Stars wie die Tennisspieler Rod Laver und Björn Borg, die Rennfahrer Jackie Stewart und Jody Scheckter, die Skiläufer Karl Schranz und Jean-Claude Killy.

Von der Skipiste stammt auch seine neueste Erwerbung, Rosi Mittermaier. Sie ist durch zwei Goldmedaillen für die Vermarktung von Sportmoden, Sonnenbrillen, Skiern, Sportschuhen und Skibindungen hinreichend qualifiziert. Zunächst bekam die Olympiasiegerin von Innsbruck einen Dreijahresvertrag, der ihr rund vier Millionen Mark einbringt.

Rund dreißig Werbeagenturen und einige hundert Industriefirmen lagen noch bis zum Vertragsabschluß Ende Mai im Rennen, um Rosis Namen und ihr Konterfei exklusiv zu nutzen. Einen geschäftlichen Erfolg hatten sich alle ausgerechnet. Denn acht Millionen Skiläufer in der Bundesrepublik, 15 Millionen in Europa und über 50 Millionen auf der ganzen Welt brauchen Skiausrüstungen. Eine durchschnittliche Ausrüstung ist heute kaum unter tausend Mark zu haben; sie muß ständig ergänzt und von Zeit zu Zeit erneuen werden. Und wer wüßte den Millionen Skiamateuren besser zu sagen, auf welchen Brettln sie am schnellsten sind, als das bewunderte Vorbild.

Ein berühmter Vorgänger der deutschen Pistenheldin hat damit gute Erfahrungen gemacht, Der Franzose Jean-Claude Killy, der bei den Winterspielen in Grenoble 1968 sämtliche alpinen Wettbewerbe (Slalom, Riesenslalom, Abfahrt) gewann, hat es bisher meisterhaft verstanden, seine Goldmedaillen zu versilbern,

Auch hier half McCormack kräftig mit. Er verschaffte dem Ex-Zöllner aus Val-d’Isère einen Fünfjahresvertrag über 1,2 Millionen Dollar beim US-Autokonzern General Motors, ließ ihn als Star einer Skiserie über amerikanische TV-Schirme flimmern und als Kolumnisten in einem Skimagazin schreiben. Killy gab seinen Namen für Skibrillen und Skistiefel, repräsentiert Hosen- und Pulloverfabrikanten aus Frankreich und Japan, drehte Filme, verkaufte Bücher, die ihn als Autor nennen, aber von „ghostwritern“ geschrieben wurden, und wirbt für Mineralwasser, Konfitüren und Uhren.