Für die ersten haben sie bereits begonnen, für andere werden sie in Kürze anfangen – die sechs Wochen der „großen“ Schulferien. Ferienzeit – das ist für viele, namentlich für viele Kinder: Reisezeit, der große Aufbruch zu dem Ziel, von dem seit Monaten die Rede ist. Der Traum soll Wirklichkeit werden. Und nach aufregenden Stunden in Flughafen-Wartehallen und Transfer-Bussen, nach ereignisreichen Fahrten im Stau und ersten Verwunderungen über das neue Domizil ist er denn auch Wirklichkeit geworden. Nur verliert sie plötzlich, über Nacht, alles Traumhafte.

Und da wiederholen sich dann, Jahr für Jahr, die gleichen Rituale. Da hocken sie in den Clubräumen und Foyers der Hotels oder den Frühstücksräumen der Pensionen, sind froh, daß der eine ein Würfel- und der andere ein Kartenspiel mitbrachte, und vertreiben sich die graue Zeit. Denn draußen gießt es mal wieder nicht nur einen Tag lang. Was der Hotelwirt oder die Pensionsinhaberin vor Jahren als kleine Hausbibliothek in die Kommoden-Schublade packte, war einmal beliebt, als die Zeiten noch gut und alt waren. Die Kartonrücken sind längst zerfleddert, und im übrigen haben sie das alles schon zweimal gelesen.

Und auch das wiederholt sich von Jahr zu Jahr: Da liegen sie unter dem Sonnenschirm auf Luftmatratze oder Badetuch im Küstensand von Mittelmeer, Nord- oder Ostsee und verschlingen ein Comic-Heft nach dem anderen. Nach dem Abendessen setzt die große Tauschaktion ein: Olaf von Zimmer die ist der Star der Etage und der Hahn im Strandkorb-Bereich, er ist umworbener Besitzer einer ganzen Heftchen-Sammlung, und er vermietet Asterix-Abenteuer für einen Tag gegen Überlassung eines Tischtennisschlägers oder eines Wasserballs.

Natürlich kann das alles auch ganz anders, ruhiger, selbstverständlicher, konfliktfreier verkaufen. Weil jemand vorausgedacht, vorweg etwas organisiert – weil er ein paar Bücher ins Reisegepäck gelegt hat, und zwar nicht nur für sich selber den dicken Roman, sondern auch etwas Entsprechendes für die jüngere Generation. Selbstverständlich wäre es nicht das Schlechteste, etwas auszuwählen, das eine Beziehung zum Urlaubsort, -gebiet oder -land hat, zu einem im Urlaub praktizierten Hobby oder den an Ort und Stelle zu findenden Pflanzen, Tieren, archäologischen Sensationen. Aber die Lektüre muß auch im Urlaub nicht nur der verlängerte Arm der Schule sein – es darf auch Lust empfunden werden. Kein Zweifel: Reisen ist schon teuer genug, und noch ein Zwanziger oder gar Fünfziger bloß für ein paar Kinderbücher ist nicht mehr drin. Vielleicht wäre er drin gewesen, hätte jemand den Posten gleich bei der ersten Reise-Kalkulation notiert.

Für alle diejenigen, die noch ein halbes Kilo – oder mehr oder weniger – in ihrem Reisegepäck frei haben, möchten wir ein paar Empfehlungen geben, die nicht nur das berücksichtigen, was in den Drehgestellen im Supermarkt am Urlaubsort vor der Sonne vergilbt und dessen Wahl dort eine Qual beendet. Darauf zu verweisen, daß die meisten der hier genannten, in der Regel im letzten Frühjahr erschienenen Kinder- und Jugendbücher auch in den öffentlichen Büchereien ausziehen werden können, sollte eigentlich nicht notwendig sein. Und daß die fünfzig Prozent Urlauber(kinder), die auch in diesem Sommer nicht verreisen (können), erst recht davon profiteren sollten, versteht sich am Rande.

H. J. H.