Die Rüsselsheimer, im bislang überraschend freundlichen Autojahr 1976 wieder die Nummer Eins auf unserem Markt, sind offenbar bestrebt, auch die kleinste Marktlücke auszufüllen. In Genf präsentierte das experimentierfreudige Werk sein erstes offenes Modell seit zwanzig Jahren, den Kadett „Aero“. Inzwischen läuft die Auslieferung an.

Zum Aero wird der Kadett in Stuttgart. Die Karosseriefabrik Baur, auf Kleinserien besonderer Art spezialisiert und seit dem Auslauf des 2002 Cabrios von BMW um Auslastung ihrer Kapazitäten verlegen, schneidet den fertig angelieferten Wagen das Dach auf, und im hinteren Teil ganz ab. Aufgesetzt wird ein kräftiger Überrollbügel, der (zusammen mit dem stehenbleibenden Rahmen um die Windschutzscheibe) einem Überschlagen des Wagens standhalten soll und so den Zulassungsvorschriften genügt. Die ganze Konstruktion ist so stabil, daß man auf teure und schwere Versteifungen der Bodengruppe weitgehend verzichten kann.

Der Aero läßt sich in drei Stufen offen fahren. Man nimmt entweder nur das „Hardtop“ ab und verstaut es im Kofferraum (dessen Volumen nicht allzusehr geschmälert wird). Die Öffnung entspricht etwa einem großen Schiebedach. Oder man klappt das hintere Stoffverdeck auf. Oder man macht beides.

In seiner Mechanik unterscheidet sich der Aero nicht vom geschlossenen Bruder. Der 1,2 1-Motor leistet 60 PS, die für 142 km/st Spitzengeschwindigkeit gut sind, und Tempo 100 in 17,5 Sekunden erreichen – das sind just die Fahrleistungen der Limousine (die auch nur 20 kg leichter ist als die offene Version). Die Ausstattung basiert auf dem „SR“-Modell: Sie umfaßt Automatikgurte und Kopfstützen, auf Wunsch (ohne Aufpreis) eine Windschutzscheibe aus Verbundglas, dazu einen Drehzahlmesser, Zusatzinstrumente und Sportfelgen mit 70er Reifen.

Der Oben-Ohne-Opel sieht zweifellos nett aus, vor allem offen. Er bietet innen praktisch denselben Platz wie ein normaler Kadett, also vier Sitze, dazu einen ordentlichen Kofferraum. Mechanik und Kunststoffdach lassen keine Probleme erwarten – schon eher das hintere Klappverdeck mit weicher, kratzempfindlicher Scheibe. Wenn dem Aero von irgendeiner Seite her der Wind ins Gesicht bläst, dann vom Preis: Mit 15 500 Mark muß ein Käufer bald fünf braune Riesen mehr springen lassen, damit er sich hin und wieder den Fahrtwind um die Nase wehen lassen kann. Für dieses Geld erscheint der Offen-Opel auch etwas mager motorisiert. Mit der 1,9 1-Maschine des GT/E hat man aber entsprechende Verstärkung im Regal, falls die Aero-Idee einschlägt.

Interessant übrigens ist, daß Rüsselsheim bis vor zwanzig Jahren ein ganz ähnliches Auto im Programm hatte: die „Cabrio-Limousine“ des Rekord. Das Stoffdach dieser vor allem vor dem Kriege verbreiteten Bauform ließ sich wie der Deckel einer Sardinenbüchse aufrollen. Noch heute gibt es ein solches Auto: den 2 CV von Citroën. St. W.