Hervorragend

Kerlchen packt die Angst beim Schopf“; „Kerlchen trifft sein Glück“; „Mit Kerlchen fällt der Streit ins Wasser“. Eine Hörfolge aus Liedern, Geschichten und Szenen, die ungewöhnlich spannend, informativ und spaßig ist. Kerlchen, der pfiffige Knirps mit Witz, Charme und vor allem Köpfchen, bewältigt entwaffnend natürlich und unaffektiert seinen schwierigen Riesenpart in der dreiteiligen Folge, die Alltagsprobleme von Kindern geschickt in Spielszenen umsetzt. Es geht um Angst und Angstmacherei, um Geburtstagsglück, Streitereien und Angeben. Was diese intelligente und dazu höchst musikalische Produktion von Herkömmlichem unterscheidet, ist der ideologiefrei, unverstellt und überzeugend selbstverständliche Grundton, der modische Konflikthascherei und durchsichtige Belehrung ebenso konsequent vermeidet wie läppische Unterforderung oder pädagogische Aufdringlichkeit. (Jahreszeiten-Verlag 121 224/121 225/121 226, je 10 DM.)

Ute Blaich

Hörenswert

Johannes Brahms: „Klavierkonzert Nr. 1 + 2“. Kammermusikalisch heißt heute das Attribut, mit dem jene Musizierweise benannt wird, die ein bißchen auf Bombast und Pathos, auf das Monumentale verzichtet und statt dessen die Nuancen, das Feine, Klare, die Intimität vorzieht. Einer der ersten Pianisten, die es riskierten, ihr Virtuosentum zurückzustellen und den Intensitätsgrad mehr durch Zurückhaltung erreichten, war der 1951 verstorbene Artur Schnabel. Natürlich hat auch die vorliegende Aufnahme nicht aufs volle Orchester verzichtet, aber in Schnabels Interpretation liegt ein erstes Beispiel dafür vor, daß in der zarten Dichte mehr Konzentration liegen kann als in all den lärmenden Aufschneidereien. (London Philharmonie – George Szell/BBC Symphony Orchestra – Sir Adrian Boult; Electrola Dacapo 1 C 181 52348/49,2 LP, 25 – DM)

Heinz Josef Herbort

„Jazz Track“. Man hört bald heraus, daß dieser Jazz ohne die amerikanisch-skandinavischen Sensiblen schwerlich denkbar gewesen wäre. Das wertet nicht ab, sondern erklärt nur, was diese fünf intelligenten Musiker hier vollführen. Sie haben vor allem zwei Gaben: musikalische Phantasie und genug Geduld, Themen auszuspinnen, zu variieren und Klangfarben (Saxophon, Trompete, Klavier, Baß, Perkussion) „konstruktiv“ anzuwenden. Es geht oft leise, manchmal ein bißchen versonnen zu, selbst in sehr behende gespielten Passagen. Der Rhythmus ist das unaufdringliche, aber fest geknüpfte Netz, auf dem dieser Jazz gewandt dahinschlüpft, -rollt und -zuckt. (Beckerhoff, Busch, Engstfeld, Hock, Spendel; Happy Bird, Mainzer Landstraße 87, Frankfurt – Nr. 5023, 22,– DM) Manfred Sack