Liebes Italien, verstehst Du unsere Angst? Eines Morgens könnten wir aufwachen – und Du bist dem Teufel, verfallen, beziehungsweise den Kommunisten. Dabei bist Du bis zuletzt gewarnt worden: vom Papst, vom amerikanischen Senat und nun auch noch von mir. Nur Kissinger hat sich in letzter Zeit zurückgehalten, weil er fürchtet, das würde Dich aus Trotz erst recht in die Arme der Kommunisten treiben.

Uns aber soll keiner nachsagen, wir hätten nicht wenigstens einen letzten Versuch gemacht, Dich zur Vernunft zu bringen. Denn den bist grade Du uns so lieb und wert, daß wir sogar zu Deinen Gastarbeitern hier etwas netter sind als etwa zu den Türken.

Anderseits fühlen wir uns als Gäste bei Dir fast wie zu Hause und haben uns sogar an Deine kleinen Schwächen irgendwie gewöhnt: an Deine Post- und Telephonverbindungen, Streiks, Taschen- und Autodiebe, an Dein Bonbon-Wechselgeld.

Aber Du – kommunistisch, das bräche uns das Herz. Zumal wir dieser Aussicht auch noch hilflos gegenüberstehen. Bei der Nato war man nur darauf gefaßt, daß Kommunisten irgendwo durch Gewalt an die Macht kommen, nicht aber durch freie Wahlen. Und darum denken, wir an Deine Wahlen am Sonntag/Montag mit Zittern und Zagen! Vor allem auch wegen Deiner amerikanischen Basen. Eines Tages könnten die Amerikaner es nämlich leid sein, schon wieder mit ihrem ganzen Kram umziehen zu müssen, und wohin denn dann noch?

Und wohin mit uns, wenn wir in Zukunft Urlaub machen wollen, und nicht auf Elba, Ischia, in Rimini oder Taormina mit Hammer & Sichel empfangen werden wollen. Wir können doch nicht alle nach Jugoslawien ausweichen, das zwar auch kommunistisch ist, aber schon so lange, daß sich alle, selbst die Jugoslawen, daran gewöhnt haben.

Ein kommunistisches Italien aber, das ertrügen wir einfach nicht und schon gar nicht, wenn das ein Kommunismus wäre, der endlich mal funktioniert – und dadurch ein gefährliches Beispiel wäre, nicht zuletzt auch für die Genossen in Moskau. Obwohl wir da eigentlich unbesorgt sein könnten; warum denn sollte wohl ausgerechnet bei Dir der Kommunismus funktionieren?

Daß Du uns vor solche Fragen stellst, das nehmen wir Dir übel, und darum wirst Du uns, falls Du uns am Sonntag/Montag eine Enttäuschung bereitest und nicht bei Deiner Ordnung beziehungsweise Unordnung bleibst, so bald nicht wiedersehen; denn nur so können wir Dich unseren Unwillen spüren lassen, und dabei sind wir nicht einmal so knallhart wie der CSU-Schedl, der damit drohte, Dir noch gar nicht geäußerte Kreditwünsche abzuschlagen.