Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Manfred Schüler, gab dem Hamburger Magazin „Stern“ Schützenhilfe. Auf Anfragen der CDU/CSU-Opposition zum Komplex Nouhuys/stern erklärt der Staatssekretär: „Immerhin gibt es konkrete Anhaltspunkte dafür, daß Herr van Nouhuys jedenfalls in den fünfziger Jahren sowohl für östliche wie für westliche Nachrichtendienste gearbeitet hat.“

Schüler erklärte, daß das Vertrauensmännergremium des Bundestages über Einzelheiten informiert worden sei. Auch habe der Generalbundesanwalt ein Vorverfahren gegen den ehemaligen Redaktionsdirektor der Illustrierten Quick, van Nouhuys, eingeleitet, um zu klären, „ob es zu einem Ermittlungsverfahren kommen wird“.

Mit dieser Aussage von höchster Warte kann der Chefredakteur des Stern, Henri Nannen, den kommenden Gerichtsrunden mit Nouhuys gelassen entgegensehen. In erster Instanz war dem stern verboten worden, Nouhuys einen „Doppelagenten“ zu nennen. (Jetzt überschreibt die Süddeutsche Zeitung ihren Bericht über die jüngste Fragestunde: „Regierung: Nouhuys war Doppelagent“). Im stern war im Oktober 1973 zu lesen, daß Heinz van Nouhuys in den fünfziger Jahren unter dem Decknamen „Name“ für den Ostberliner Staatssicherheitsdienst gearbeitet habe und auch dem Bundesnachrichtendienst als der „Handwerker“ zu Diensten gewesen sei.

Als daraufhin Nouhuys klagte und gewann, weil der „Wahrheitsbeweis“ nicht erbracht worden sei, bestätigte Henri Mannes das offene Geheimnis: „Wer einem Verdächtigen auf der Spur ist, der darf keine Scheu haben, sich auch in der Unterwelt zu bewegen.“ Die Unterwelt: das Ministerium für Staatssicherheit in Ostberlin.

Dort sahen Redakteure die Akte Nouhuys ein und bekamen Photokopien mit auf den Weg. Bevor der stern-Bericht gedruckt wurde, hatten Mitarbeiter dieses Magazins dem ehemaligen Chef des Bundeskanzleramts Graben über ihren Verdreht gegen Nouhuys berichtet. Staatssekretär Graben beauftragte damals den Bundesnachrichtendienst, diese Informationen und das stern-Material zu überprüfen.

Dazu Staatssekretär Schüler in seiner Antwort auf die Anfrage der CDU/CSU: „Wenn uns ein Presseorgan darüber informiert, daß ihm Material aus einem östlichen Land zugespielt wird, ist es verdammte Pflicht und Schuldigkeit des Dienstes (Bundesnachrichtendienst d. R.), diesen Hinweisen nachzugehen. So ist es gewesen, und so wird es auch bleiben.“

Die CDU-Opposition hofft, aus dem Fall Nouhuys/stern noch Kapital zu schlagen. Ihr ist das Zusammenwirken des Bundeskanzleramtes mit einer der Regierung nahestehenden Zeitschrift suspekt, und sie vermutet darin eine gezielte Aktion, um Nouhuys, der der CDU mit seinen Veröffentlichungen oft nützlich war, mundtot zu machen. Doch auch für das Bundeskanzleramt ist der Fall ein Ärgernis – es kann den Verdacht nicht ausräumen, daß es „ihre Leute“ waren, die den stern auf die Fährte Nouhuys ansetzten und den Tip gaben, in Ostberlin einmal nachzufragen. H. v. K.