Von einem Konsumboom wagen die Handelskonzerne nicht einmal zu träumen.

Helmut Thoma, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG), sagte, wie es ist: „Während die Politiker von Aufschwung und Konjunkturfrühling reden, kann der Einzelhandel nicht einmal ein Frühlingserwachen feststellen.“ Den in der BAG zusammengefaßten rund 1680 Einzelhandelsgeschäften (Umsatz 1975 zusammen: 37 Milliarden Mark) verhieß der Präsident denn auch keinen erfreulichen Ausblick auf das Gesamtergebnis 1976. Man habe die Befürchtung, so Thoma, „daß das Ergebnis im gesamten Jahresverlauf nicht wesentlich gegenüber dem Vorjahr (plus 1,5 Prozent) verbessert werden“ könne.

Schon vor einer Woche hatte Helmut Thoma für sein eigenes Unternehmen, die Kölner Kaufhof AG, eine Konjunkturprognose gewagt – nicht ganz so schwarz. Die Zahlen für die ersten fünf Monate 1976 „veranlassen uns“, so Kaufhofsprecher Thoma, „nicht zum Jubeln,“ Im Hinblick auf die Bedeutung des letzten Jahresdrittels für das Warenhausgeschäft freilich könne, so Thoma weiter, „auch eine mit Verzögerung eintretende Konjunkturbelebung uns noch ein zufriedenstellendes Jahr 1976 bescheren.“

Seine Kollegen von den anderen großen Warenhauskonzernen mochten allerdings genausowenig in Jubeltöne ausbrechen. Hortens Vorstandssprecher Fritz Seydaack flüchtete sich in einen Werbeslogan: „Alle reden vomAufschwung, wir nicht.“ Dieses Jahr, so prognostizierte der Düsseldorfer Warenhausmann, drohe „für den deutschen Einzelhandel ein mindestens so schweres Jahr wie die beiden letzten Jahre zu werden.“

Die Essener Karstadt AG, größter unter den deutschen Warenhauskonzernen, schließlich suchte einen literarischen Vergleich. Vorstandssprecher Walter Deuss: „Wenn wir von Aufschwung reden, denken wir an „Warten auf Godot“; Godot ist zwar schon da, doch an uns ist er vorbeigegangen.“

Literarisches Resümee und konjunkturelle Wettervorhersagen lassen, sich mit Zahlen belegen. So hatte Horten in den ersten vier Monaten dieses Jahres nur ein bescheidenes Umsatzplus von vier Prozent zu verzeichnen. Nach einer „mit allen Vorbehalten“ gewagten Vorhersage werde es für das ganze Jahr nach Meinung von Fritz Seydaack nur eine Umsatzsteigerung um 5,5 Prozent geben. (Umsatzziel 1976: 3,84 Milliarden Mark).

Auch der Kölner Kaufhof-Konzern kam in den ersten vier Monaten für die Kaufhof AG und die Billig-Tochter Kaufhalle nicht über einen Mehrabsatz von 3,7 Prozent hinaus. „Der Monat Mai, so Kaufhofsprecher Thoma, „hat dieses Ergebnis auch nicht verbessern können.“