Neuauflage eines alten Handbuches

Von Klaus Reblin

Unter Beamtentum verstehen wir die Institution des Staates, kraft deren Personen, die die eigentümlichen Aufgaben des Staates erfüllen, sich in einem besonderen rechtlichen und soziologischen Status befinden, der sich von dem Status der Funktionäre wirtschaftlicher Unternehmen deutlich unterscheidet..... Das Beamtentum ist... gekennzeichnet durch ein besonders enges Treueverhältnis zum Dienstherrn, durch eine besonders starke Gehorsamspflicht, die auch die Verpflichtung einschließt, den Staat und die von ihm getragenen Werte in einem persönlichen Engagement zu tragen.“

Wie vor zehn Jahren

Wer solche Sätze aus einer gewissen Distanz liest, fragt sich unwillkürlich, aus wessen Feder sie stammen könnten. Daß ein Beamter sie schrieb, das zu erraten, bedarf keiner besonderen Intuition. Wer aber meint, es handle sich! um Auszüge aus einer verbandspolitischen Grundsatzerklärung, der irrt. Diese Sätze finden sich vielmehr in der unlängst erschienenen Neubearbeitung des

„Evangelischen Staatslexikon“, hg. von H. Kunst, R. Herzog und W. Schneemelcher; Kreuz-Verlag, Stuttgart 1975; 3122 Spalten, 155,– DM.

Ich habe die Definition des Beamtentums in diesem Lexikon aber nicht zitiert, um den Leser mit einem Rätsel zu verunsichern, sondern um zu zeigen, wie wir heute denken und schreiben: Wir denken und schreiben wieder wie vor zehn oder zwölf Jahren. Obige Definition fand sich auch schon in der Erstaufläge von 1966. Aber warum auch nicht? Warum nicht wiederholen, was damals gültig war? In den letzten zehn Jahren wurde zwar viel geredet von Veränderung und Reform, von Demokratisierung und Emanzipation. Aber, was ist davon geblieben? Sind die meisten Neuansätze dieser Jahre nicht längst versandet? Am Beispiel der Beamten: Hat die Beamtenrechtsreform sich nicht längst als harmloser Spuk erwiesen? Und wer wagt es dennoch, das Berufsbeamtentum überhaupt zu problematisieren? Nein, wir können ohne Skrupel denken und reden wie gestern. Das ist der Stil der neuen Zeit.