Auch die angeblich letzte Redaktionssitzung zur Vorbereitung einer Konferenz der europäischen kommunistischen Parteien hat bisher kein greifbares Ergebnis; sie wurde erst einmal unterbrochen. Der Termin des europäischen KP-Treffens, das in diesem Monat stattfinden sollte, steht immer noch nicht fest.

Die Tagungen der Redaktionskommission, die eine Konferenz der kommunistischen Parteien Europas vorbereiten soll, ähneln einem schlechten Zirkus: Auch die unwiderruflich allerletzte Vorstellung wird noch einmal wiederholt. Die Widersprüche innerhalb des kommunistischen Lagers scheinen unüberwindlich zu sein.

Die "autonomen" Parteien Jugoslawiens, Rumäniens, Frankreichs, Italiens, Spaniens und Großbritanniens möchten auf dieser Konferenz keinen wie immer gearteten Führungsanspruch der Sowjetunion festgelegt sehen. Die sowjetische Partei und die moskautreuen Kommunisten beharren darauf, dem kommunistischen Lager eine möglichst monolithische Struktur zu geben, und dies sei eben nur möglich, wenn sich alle Parteien am größten Block in der kommunistischen Bewegung ausrichteten.

Die Konferenz – ursprünglich eine Vorstufe zu einer neuen kommunistischen Weltkonferenz – hätte nach Moskaus Zeitplan bereits vor über einem Jahr zusammentreten sollen. Die Weltkonferenz wäre dann noch vor dem 25. Parteitag der KPdSU möglich gewesen, der im Februar dieses Jahres stattfand. Aber die autonomen Parteien hielten sich nicht an den Fahrplan. Sie lehnten einen Beschlußentwurf nach dem anderen ab. Nach nahezu einem Dutzend Redaktionstagungen ist noch immer nicht klar, wann nun die europäische KP-Konferenz stattfinden wird.

Den sowjetischen Kommunisten und der SED, die mit der Vorbereitung der Konferenz beauftragt worden ist, ist dieser Zwist natürlich peinlich. Informationen über die Differenzen im kommunistischen Lager kommen vorwiegend aus Jugoslawien, Italien, Rumänien oder Spanien. Das SED-Politbüromitglied Kurt Hager hatte dagegen schon im vergangenen Herbst den Schwarzen Peter westlichen Miesmachern zuschieben wollen. "Entgegen dem Wunschdenken bürgerlicher Presseorgane", sagte er, "denen die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den kommunistischen und Arbeiterparteien von jeher ein Dorn im Auge ist, können wir sagen, daß in sachlicher und kameradschaftlicher Atmesphäre weitere Fortschritte erreicht worden sind."

Nun, ein dreiviertel Jahr später, als die endgültige letzte Vorbereitungstagung wieder in einer "sachlichen, kameradschaftlichen Atmosphäre" ablief und wieder kein akzeptables Ergebnis brachte, mußte Hager zu einem Blitzbesuch nach Moskau reisen, um bei den sowjetischen Genossen guten Rat zu holen.

Aber guter Rat ist teuer. Der sowjetische ZK-Sekretär Katuschew, der Anfang Juni in Belgrad wir, konnte die Jugoslawen offenbar wieder nicht auf Vordermann bringen. Gleich nach seinem Besuch stimmte sich die jugowlawische Parteiführung mit den rumänischen Genossen darüber ab, wie weiter taktiert werden soll. Und der italienische KP-Chef Berlinguer verbreitete den Vorschlag, die von Moskau so ersehnte Konferenz erst einmal bis zum Herbst zu vertagen. Er hofft offenbar, nach den italienischen Wahlen in einer stärkeren Position zu sein und sich jedenfalls dann nicht mehr anhören zu müssen, unter welchen Bedingungen sich Kommunisten mit bürgerlichen Parteien zwecks Regierungsbildung einlassen dürfen.