Die Kultur-Redakteure müssen über Ereignisse der bildenden Kunst, der Musik und des Theaters ebenso lebendig und kompetent zu schreiben wissen wie über die Marotte, sich die Nägel grün zu färben oder Maibowle mit Petersilie anzusetzen.

Aus einer Anzeige, in der die „Welt am Sonntag“ neue Mitarbeiter für die Redaktion sucht

Die besten Seiler aller Zeiten

Manche Verlage machten nicht mit, weil sie nicht wollten oder konnten; in anderen Fällen waren die Unterlagen verloren gegangen; und von vornherein stellte sich die Frage, ob auch Zweitausgaben (etwa Sonderausgaben, Taschenbücher, Buchgemeinschaftsveröffentlichungen) nicht eigentlich mitgezählt werden müßten. Trotz dieser praktischen und systematischen Schwierigkeiten hat das Fachmagazin „buchreport“ versucht zu ermitteln, welches die absoluten deutschen Bestseller sind: die Bücher, deren Originalausgaben im Laufe der Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte seit ihrem Erscheinen in Deutschland am häufigsten verkauft wurden. Der Bestseller aller Bestseller ist danach, mit über 30 Millionen Exemplaren, das Buch der „Losungen“ aus dem Quell-Verlag. Ihm folgt Dr. Oetkers 1922 erstmals erschienenes Backrezeptbuch (23,5 Millionen) und die „Bibel“ der Württembergischen Bibelanstalt (22 Millionen). Die Sparte Kinder- und Jugendbuch wird angeführt von Hoffmanns „Struwwelpeter“ (2 Millionen), die Sparte Nachschlagewerke von Knaurs Lexikon (6,9 Millionen), die Sparte Auto-Atlanten vom Shell-Atlas (IQ Millionen) und die Sparte Sachbuch und Belletristik: von Hitlers „Mein Kampf“ (9,8 Millionen).

Gerd Gaiser

„Reiter am Himmel“ hieß sein erstes Buch, ein Gedichtband. Der es geschrieben hatte, ein zweiunddreißigjähriger Pfarrerssohn aus dem schwäbischen Dorf Oberriexingen, war damals, im dritten Kriegsjahr, selbst ein Reiter am Himmel, ein Jagdflieger. Mit seinem 1953 erschienenen Roman „Die sterbende Jagd“, einem noch immer bedeutenden Buch über die Techniker-Mentalität moderner Krieger, errang Gerd Gaiser seinen größten Publikumserfolg. „Schlußball“, der 1958 erschienene zweite seiner großen Romane, löste heftige Diskussionen aus. Moralischer Ernst und elegischer Sprachstil, die im ersten Roman überzeugt hatten, waren verkümmert zu Ressentiments gegen Technik und Zivilisation, gegen den Intellekt und alles „Fremdstämmige“; Gaiser, der seine Doktorarbeit über „Die spanische Plastik des Frühbarocks in Neukastilien“ geschrieben hatte, wandte sich mehr und mehr der Kunstgeschichte zu und verbarg sich vor dem Literaturbetrieb, der ihn mit manchem Preis doch einholte, als Kunsterzieher in Reutlingen. Dort ist er jetzt im Alter von 68 Jahren gestorben.

Der letzte Tycoon