Von Eduard Neumaier

Eine Weile schien es so, als sei Franz Heubl ein demütigender Abgang aus der Führungsmannschaft der Christlich-Sozialen Union so sicher wie das Amen in der Kirche. Mit aller Vehemenz, zu der er fähig ist, hat CSU-Chef Franz Josef Strauß eine Wiederwahl Heubls als Stellvertreter bekämpft. Vor den zehn Bezirksvorsitzenden zeigte Strauß seine Vorliebe nach drastischen Alternativen auch im Persönlichen: entweder Heubl oder er im Vorstand.

Nicht genug damit – Strauß suchte auch nach Gegenkandidaten, die Heubl eine sichere Niederlage bereiten sollten. Doch er bekam nur Körbe. Vor der Wahl sah es sogar nach einem Rückzieher von Strauß aus, der merkte, daß seine Macht Grenzen hat. Heubl, auf dessen Kapitulation schon Wetten abgeschlossen worden waren, hatte ganz unvermutet Härte gezeigt. Er werde, komme was da wolle, kandidieren, und gab so einem Duell Dramatik, das wie eine kleinlichstreitsüchtige Aktion des Vorsitzenden aussah, in Wirklichkeit aber, eine Mischung aus politischen und persönlichen Querelen ist. Ein gutes Ende des Zweikampfes für Heubl aber konnte vor dem Ausgang nicht garantiert werden.

In den langen. Wochen der Strauß-Heubl-Hakelei ist dem staunenden Publikum nie ein triftiger Grund genannt worden, weshalb Heubl nicht einen angemessenen Platz auf der Landesliste bekommen sollte und nicht länger stellvertretender Vorsitzender sein könne. Einmal sagte Strauß im ZDF: „Es gibt weder sachliche Differenzen noch einen persönlichen Streit. Aber innerhalb der Führungsschicht einer Partei muß gegenseitiges Vertrauen und muß loyale Verhaltensweise eine selbstverständliche Voraussetzung sein, damit die stärkste Kampfkraft und die größtmögliche Geschlossenheit erreicht wird.“

Immerhin – sachliche Differenzen gab es genug, für persönlichen Streit gibt es Zeugen. So hat-Heubl der Geschlossenheit der Union zuliebe geraten, den Polenvereinbarungen zuzustimmen. Er hat auch Bayerns Weg zum Verfassungsgericht für falsch gehalten, wo der Grundvertrag mit der DDR blockiert werden sollte. Da Strauß selber dies nicht für sachliche Differenzen hält, nährt er die Vermutung, daß der Anlaß seines Kriegszuges gegen Heubl außerhalb rationaler Maßstäbe liegt. In der Tat sind seine Anwürfe trivial; Heubl werde just in jenen Zeitungen immer gelobt, in denen er, Strauß, heftig angegriffen werde; er habe zu vertrauensvolle Beziehungen zu Journalisten; er beschäftige einen „linken“ Pressereferenten; er werde der Kohl-Equipe zugerechnet und habe überhaupt hinter dem Rücken von Strauß mit Kohl über Kabinettslisten geredet. Und es ärgert Strauß, daß Heubl mit dem Prädikat geschmückt wurde, ein Liberaler zu sein, sozusagen eine andere, womöglich, eine bessere CSU zu verkörpern.

Tatsächlich wirkt Heubl in mancherlei Hinsieht wie ein Anti-Strauß, wie er überhaupt nicht dem landläufigen Typus des CSU-Politikers einspricht. Er ist gewandt – womit er gerne kokettiert, ebenso wie mit seiner Belesenheit oder seiner Gabe, in der „Bayerischen Botschaft“ in Bonns Schlegelstraße immer den richtigen Ton zu finden, egal ob Bierbrauer oder Kabarettisten, Bauern oder katholische Frauen zu bewirten sind. Heubl würde noch beim Fingerhakeln Schlips tragen.

Wahr ist, daß Heubl in Bonn keine Feinde, nur Anhänger hat.