Von Gunhild Freese

Jack J. Schmuckli, Deutschlandchef des japanischen Farbfernsehgeräte-Produzenten Sony, ärgerte sich über sich selbst. Noch bevor er nämlich seine neue Werbekampagne veröffentlichen konnte, war sie veraltet. Schmuckli: „Wir konnten nicht einmal mehr alle Anzeigen stoppen.“

Grund für das vorzeitige Veralten der Sony-Werbung: In den Anzeigen sollte die von den Japanern seit langem gebotene Zwölfmonatsgarantie für die Bildröhren deutlich herausgestellt werden. Am Markt üblich war bis dahin nur eine Garantie von sechs Monaten.

Doch die Bräuche hatten sich unverhofft geändert. Am 31. Mai nämlich hatte die Hildesheimer Fernsehfirma Blaupunkt neue Daten gesetzt. Sie bot für ihre Farbgeräte-Serie FM 100 mit einem 67-Zentimeter-Bildschirm eine Röhrengarantie von immerhin drei Jahren. Und das brachte den festgefahrenen Farbfernsehmarkt gründlich in Bewegung.

Schon einmal hatte in Deutschland eine Branche, die wie auch der Fernsehmarkt von nur wenigen großen Herstellern beherrscht wird, durch eine ausgesprochen verbraucherfreundliche Aktion von sich reden gemacht – und das Geschäft damit tüchtig angeheizt: die Autoindustrie.

Hier war Robert Lutz der erste. Der neu inthronisierte Chef der Kölner Ford-Werke erhöhte im September 1974 die branchenübliche Garantiefrist für Neuwagen von sechs Monaten oder 10 000 Kilometern auf das jeweils Doppelte (Werbeslogan: „Die neue Vernunft-Garantie“). Das brachte ihm einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil und den Zorn der Konkurrenz ein. Der bis dahin stetig sinkende Ford-Absatz kletterte schlagartig in die Höhe. Die Verbraucher honorierten die Leistung des Kölner Autoproduzenten.

Erst gut ein Dreivierteljahr später reagierten andere Autobauer: Im Juli 1975 verdoppelten das Volks wagenwerk und Opel ihre Garantiefristen und verzichteten dabei sogar auf die Begrenzung der Kilometerzahl. Beides ist inzwischen branchenüblich – und das Autogeschäft floriert bestens. Den Kunden war zumindest ein zusätzlicher Kaufanreiz geboten worden.