Wieder werden die Palästinenser gejagt

Von Dietrich Strothmann

Die Szene wurde zum Jubelfest: An einem Novembertag des Jahres 1974 feierte die überwältigende Mehrheit der Delegierten der UN-Vollversammlung den bewaffneten Jassir Arafat, Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation und Führer der Fatah-Freischärler. Einem Triumphator gleich verkündete er damals ein "Palästina von morgen"; er umwarb die Juden, für die er ebenso kämpfen wollte wie für seine Palästinenser, und er warnte die Delegierten: "Lassen Sie nicht den Ölzweig aus meiner Hand fallen." Damals begann sich die Nahostpolitik um die Lösung des Palästinenserproblems zu drehen. Der bärtige Oberpartisan Arafat stand als weltweit anerkannter ’Politiker im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Nicht einmal zwei Jahre später ist demselben Jassir Arafat der Ölzweig aus der Hand geschlagen worden, von seinen Brüdern. Sein Hauptquartier im libanesischen Beirut muß er meiden, seine alten Gönner wenden sich von ihm ab und verdammen ihn sogar; ehemalige Feinde, denen er einst den Tod wünschte, muß er sich jetzt zu neuen Freunden machen. In dem Gemetzel des libanesischen Bürgerkrieges, der sich in den letzten Wochen – nach dem Eingreifen der Syrer, den Aktionen der Ägypter und dem blutigen Kampf unter den Palästinensern – zu einem arabischen Bruderkrieg ausgeweitet hat, droht auch das Palästinenserproblem liquidiert zu werden.

Seit Arafats Auftritt vor dem New Yorker Weltforum haben Washington wie die Europäische Gemeinschaft erkannt, daß das Palästinenserproblem das Schlüsselproblem eines Nahostfriedens ist. Auch Israel, das in den Bürgerkrieg des Libanon nicht eingriff und sogar die massive Intervention der Syrer in dem nördlichen Nachbarland duldete, hielt sich diesmal zurück. Ihre diplomatischen Erfolge machen vielmehr die untereinander zerstrittenen, mit den falschen Mitteln auf der falschen Seite kämpfenden Palästinenser selber zunichte, mutwillig zerstören sie ihren großen Traum von einem eigenen Staat.

Erst, nach den Siegen der Israelis, waren sie Getriebene. Dann, als sie sich in die Weltarena bombten und ihre Terrorerfolge aus dem Untergrundkampf diplomatisch absicherten, wurden sie zu Antreibern. Nun sind sie, wie schon einmal in Jordanien, wieder die Gejagten.

Aus Freunden wurden Feinde