Von Rosemarie Fiedler-Winter

Wer die Position eines Personalleiters wahrnimmt, muß fähig sein, den jeweils Schwächeren zu vertreten.“ Karl-Werner Kalkbrenner, Personalchef der Autofirma Porsche, formulierte diesen Grundsatz moderner Personalarbeit anläßlich des 6. Management-Gesprächs des Internationalen Studenten-Comites (1SC) an der Hochschule St. Gallen, Schweiz. Diese Demonstration einer Personalstrategie, die innerbetrieblich gewachsen und den Insidern längst vertraut ist, überraschte die akademischen Hörer.

Das offene Bekenntnis zur Sozialpflichtigkeit der Unternehmensführung hatten viele Studenten ebensowenig erwartet wie in der Bundesrepublik die breite Öffentlichkeit den progressiven Akzent in Hanns Martin Schleyers gesellschaftspolitischer Grundsatzerklärung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Das Bemerkenswerte an derartigen Äußerungen ist aber nicht ihr eigentlicher Inhalt, sondern die Dokumentation eines Wandels, der sich in der Praxis vollzogen hat.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGPF) in Düsseldorf kommt in ihrer Untersuchung über die Funktion der Personalführung zu dem Schluß, daß dieses Arbeitsgebiet in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren erheblichen Veränderungen unterworfen war und daß der Wandlungsprozeß noch keineswegs abgeschlossen ist. Dazu gehört als wesentliches Merkmal die Verankerung der Personalverantwortung in der Unternehmensspitze. Mehr als hundert Personen sind in deutschen Unternehmen als Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer ausschließlich für Personalpolitik zuständig. Die DGPF kommentiert: „Eine Situation, wie sie kein anderes europäisches Land aufweisen kann.“

Bei insgesamt etwa l,9Millionen deutschen Firmen, die in die Handelsregister eingetragen sind, ist diese Zahl nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Auswirkung moderner personal politischer Entwicklungen geht sehr viel tiefer. Sie wird sichtbar, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Aufgabengebiete heute die Personalarbeit umfaßt.

Die von der DGPF befragten Personalchefs zählen dazu:

  • Die Personalverwaltung, das heißt das Führen von Personalakten und Statistiken, die Erteilung von Zeugnissen, die Lohn- und Gehaltszahlung, also die alten Lohnbuchhaltungsaufgaben, aus denen sich moderne Personalarbeit erst entwickelt hat.
  • Die Personalplanung, das Erarbeiten von Stellenplänen, die Ermittlung des Kurz- wie auch langfristigen Personalbedarfs, die Planung der Personal- und Sozialkosten.
  • Die Personalbeschaffung, in deren Rahmen den Einstellungsgesprächen eine immer größere Bedeutung zukommt.
  • Die Personalführung, die Information der Mitarbeiter und die Beratung der Vorgesetzten.
  • Die Personalentwicklung, die eine Bildungskonzeption voraussetzt, nach der das Unternehmen seine Mitarbeiter weiterbilden kann.
  • Die Lohn- und Gehaltsfindung nach neuen Systemen, wie der analytischen Arbeitsplatzbewertung; die Erfolgsbeteiligungen mit verschiedenen Vermögensbildungsformen sind hier angesiedelt.