Nach jahrelanger Suche wurde der neue Chef des Ifo-Instituts im eigenen Haus gefunden

Beinahe war es eine Zangengeburt: Länger all vier Jahre wurde ein Nachfolger für Karl Maria Hettlage gesucht, den Chef des renommierten Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München. Und zweimal sah es so aus, als sei ein prominenter Mann gefunden: 1972 war es der frühere Schiller-Staatssekretär Johann Baptist Schöllhorn, ein alter Ifo-Mann, der im Institut viel Sympathie und Respekt genoß; und im vergangenen Jahr war es der langjährige Vorsitzende des Sachverständigenrates, Norbert Kloten, der sich in München „viel für seine wissenschaftliche Laufbahn erhoffte“.

Schöllhorn ging dann lieber doch nach Kiel, als Präsident der Landeszentralbank. Und Norbert Kloten tat es ihm gleich – in Stuttgart. Und das, obwohl er nach dem Verständnis der Münchner Wirtschaftsforscher zu Ifo schon ja gesagt hatte. Schließlich brachte noch Altbundeskanzler Ludwig Erhard einen Oldtimer ins Gespräch: seinen einstigen Rivalen, Karl Schiller.

Ende 1975 endlich griffen die Ifo-Gremien zur Selbsthilfe. Sie einigten sich innerhalb weniger Monate auf ein Eigengewächs des Hauses, dem zwar noch wenig Publicity beschieden war, von dessen wirtschaftswissenschaftlicher Arbeit aber zahlreiche Veröffentlichungen zeugen. Sie nominierten den vierundvierzigjährigen Karl Heinrich Oppenländer, seit 1958 bei Ifo, seit 1966 Leiter der Industrieabteilung und seit 1970 ordentliches Vorstandsmitglied. In dieser Woche tritt er als Vorsitzender des Vorstandes an die Spitze des größten deutschen Konjunkturforschungsinstituts mit 200 Mitarbeitern und einem Jahresetat von fast elf Millionen Mark.

Oppenländer war frisch von der Münchner Universität unter die Wirtschaftsforscher gegangen. Seine Dissertation über „Die moderne Wachstumstheorie“ (1963) war schon stark von seinen Ifo-Studien beeinflußt – vornehmlich Branchenanalysen und Untersuchungen über die Auswirkungen des technischen Fortschritts in einzelnen Industriegruppen. 1975 habilitierte er sich mit der Schrift „Der investitionsinduzierte technische Fortschritt“.

Gelegentlich hat Oppenländer auch mit dem Gedanken gespielt, in die Industrie „abzuspringen“. Er fragte sich immer wieder, ob Ifo tatsächlich seine „Lebensaufgabe“ sei. Doch die wissenschaftliche Forschung machte ihm, wie er sagt, mehr und mehr Spaß, ohne daß es ihn „danach drängte, Karriere zu machen“.

Als Ifo-Chef will er sich um ein „zeitgemäßes Forschungsmanagement“ bemühen und dabei nach Möglichkeit die Lehren aus dem „Jahr der Fehlprognosen“ 1975 ziehen. Eine Verbesserung des Vorhersageinstrumentariums ist nach seiner Ansicht nur möglich, wenn Wirtschafts- und Geldpolitik intensiver als bisher beobachtet und ins Kalkül einbezogen werden. Besonders wichtig erscheint Oppenländer der Blick über die Grenzen; denn gerade der vielfach unerwartete Exporteinbruch habe im letzten Jahr so manche Konjunkturprophetie lächerlich gemacht.