Von Jens Friedemann

Als Harold Goldstein aus Los Angeles 26 Jahre alt wurde, besaß er 800 Dollar in bar sowie ein Buch über die Warentermin-Spekulation. Als ihn drei Jahre später die Polizei verhaftete, kommandierte er Verkaufstrupps zwischen Kalifornien und Frankfurt für sogenannte Warenterminoptionen.

Was der „geniale“ Finanzier in den USA zu einem 120-Millionen-Dollar-Schwindel hochzüchtete, wird seit einigen Monaten auch in der Bundesrepublik erprobt. Und zwar mit nicht minder fragwürdigen Methoden, wie Frankfurts Oberstaatsanwalt Karl Heinrich Hentschel in der vergangenen Woche bekanntgab.

Eine Mannschaft von zwanzig Kriminalisten und Wirtschaftsprüfern hatte wieder einen Schwindel mit Warentermin-Optionen in Frankfurt aufgedeckt. Nach Goldstein-Methode lockten deutsche Optionsverkäufer privaten Anlegern per Telephonverkauf in einer Rekordzeit von wenigen Monaten Millionenbeträge aus den Taschen. Der größte Teil des Geldes wurde jedoch nicht – wie vertraglich vorgesehen – für die hochkomplizierten Optionsgeschäfte eingesetzt, sondern verschwand in den Taschen der Verkäufer.

Welchen Umfang das Schwindelgeschäft angenommen hat, läßt sich noch gar nicht absehen. Oberstaatsanwalt Hentschel: „Ich bekomme pro Tag um die 200 Anrufe von betroffenen Anlegern.“ Ob sie ihr Geld jemals wiedersehen werden, ist fraglich.

So akquirierte die Zollerngesellschaft mbH, Warentermindienst Frankfurt, in acht Monaten etwa vierzig bis sechzig Millionen Mark, doch konnte die Staatsanwaltschaft nur etwa zehn Millionen Mark sicherstellen. Eine halbe Million Mark hätte die Firma erst kürzlich über Zürich nach Nassau auf die Bahamas transferiert. Oberstaatsanwalt Hentschel ließ den geschäftsführenden Gesellschafter, Adolf Sailer, wegen Verdachts des Betruges festnehmen. Nach Sailers Kompagnon, Manfred R. Lutz, der sich vermutlich ins Ausland absetzte, wird gefahndet.

In einem Arrestbefehl über die Geschäftskonten der Firma heißt es: „Die Gesellschaft spiegelte ihren Kunden vor, auf Grund eingezahlter Prämien im Namen der Kunden über einen US-Broker Doppeloptionen abzuschließen. Tatsächlich tat sie dies nicht. Sie kassierte zwar das Geld, führte die Aufträge aber nicht aus.“ Statt dessen – so ermittelte die Sonderkommission des Hessischen Landeskriminalamtes – verwendeten die Zollern-Gesellschafter Teile der Kundengelder für eigene Spekulationszwecke.