Trotz Lohnpakts will die britische Inflation nicht weichen. Die Engländer werden weiterhin mit einem zweistelligen Teuerungssatz leben müssen.

Die Inflation in Großbritannien stabilisiert sich auf hohem Niveau. Die Kostensteigerung der Lebenshaltung ist von ihrer höchsten Zuwachsrate von 26,9 Prozent im August vergangenen Jahres bis Mai auf 15,4 Prozent im Jahresvergleich zurückgegangen – mit einer besonders kräftigen Kontraktion um 3,5 Prozent im Monat April. Von nun an, das, ist die fast einhellige Meinung der britischen Konjunkturbeobachter, weicht die Teuerung jedoch langsamer zurück: Die Inflationsrate, so die Auguren, werde für: den Rest des Jahres bei zwölf bis vierzehn Prozent stehenbleiben.

Ursprünglich hatte die britische Regierung für das Jahresende eine einstellige Inflationsziffer vorausgesagt. Dann mußte sie das zeitliche Eintreffen dieser Prophezeiung ins kommende Frühjahr hinausschieben. Die wichtigste Ursache dafür ist die preissteigernde Wirkung der Pfund-Abwertung seit Anfang März. Verschiedene Kalkulationen setzen die treibende Wirkung des Pfund-Kurses auf das britische Preisniveau mit plus drei bis vier Prozent an. Inflation, warnt die Bank von England, bleibt das Hauptproblem Großbritanniens.

Die Gewerkschaften haben in der letzten Woche einer zweiten Phase der Lohnkontrollen zugestimmt. Bis Juli 1977 sind nach Regierungsplan Erhöhungen der Löhne und Gehälter um bis zu viereinhalb Prozent erlaubt. Ihre Folgen werden etwas gemildert durch eine Senkung der Einkommensteuerbelastung. Die Regierung hat die Gewerkschaften zu diesen Lohnrestriktionen gedrängt, indem sie mit einer angepeilten Inflationsrate von weniger als zehn Prozent am Jahresende 1976 und einer weiteren Halbierung des Teuerungssatzes ein Jahr später lockte.

Jede unplanmäßige Teuerung muß freilich das Lohnabkommen belasten; vor allem, wenn in der erwarteten Phase, wirtschaftlicher Erholung, was wahrscheinlich ist, die Unternehmergewinne steigen. Selbst wenn Großbritannien über diese zweite Lohnrunde kommt – an ihrem Ende stellt sich das wahrscheinlich schwierigste Problem: aus der Zwangs-, jacke der Lohnkontrollen wieder herauszukommen. Eine dritte Lohnkontrollrunde werden die Gewerkschaften schwerlich mitmachen. Sie drängen zur Tariffreiheit zurück. wkr