Berlin: „Yves Klein“

Die aktuelle Vokabel, die sich zur Feier von Yves, le monochrome, 14 Jahre nach seinem Tod anbietet, heißt „Sensibilisierung“; denn, so liest man im Katalog in einer der Sensibilisierung wahrhaft bedürftigen Sprache: „Sein eigentliches, ureigenstes Anliegen sah er in einer neuen Sensibilisierung der Menschen.“ Yves Klein hat dieses Anliegen nicht nur mit spektakulären Projekten zur Einfärbung Frankreichs und der Welt ins Blaue vorangetrieben, es gelang ihm sogar, das Immaterielle zu verkaufen. Sensibilität in Zonen gegen Blattgold, grammweise. Mit dem Hinweis auf des Kaisers neue Kleider freilich ist das Phänomen Yves Klein nicht abzutun. So effektvoll auch immer seine Aktionen inszeniert waren, so propagandistisch geschickt er seine Erfindungen, die „Monochromien“ und die „Anthropometrien“, präsentierte, Yves Klein ging es um mehr, um anderes um le viele, die mystische Leere, um das Absolute Zu recht hat er sich dagegen verwahrt, in einen historischen Zusammenhang mit Dada gerückt zu werden, denn wenn sich Dada aggressiv gegen den traditionellen Kunstbegriff gewendet und schließlich die Kunst selbst in Frage gestellt hat, so hat Yves Kleie gerade alle Relikte romantischer Kunst- und Kunstler-Ideologie zelebriert, in Leben und Werk und in seinen zahlreichen lyrisch-metaphysischen Spekulationen. In der romantischen Hypostasierung des Künstlers, des Genies (für das sich Yves hielt) ist es nur konsequent, daß das Werk hinter Person und Leben zurücktritt: „Meine Bilder sind die Asche meiner Kunst.“ – Entsprechend sind in der großer Retrospektive nicht allzu viele Bilder und Objekte ausgestellt, Leinwände mit blauen Körperabdrücken und blau gesättigte Schwämme, teure Fetische, die heute eher kunstgewerblich dekorativ als provokativ anmuten. Statt dessen werden Stationen und Aktionen seines Lebens ausführlich dokumentiert, mit großen schwebenden Schrifttafeln, Photographien, vielen Sätzen von Yves Klein – in einem schönei und unaufdringlichen Arrangement. Aber wenn nun schon die Schrift Einzug in die Nationalgalerie hält, wäre sie auch für einige kritisch analytische Kommentare zu benutzen gewesen, zur Entmystifizierung der Künstlerlegende, etwa im Sinn der Untersuchung von Catherine Krahmer „Der Fall Yves Klein“. So gerät diese elegante Schau trotz aller innenarchitektonischen Sachlichkeit zur Apologie des romantischen Genies. (Nationalgalerie bis zum 12. Juli, Städtische Kunsthalle Düsseldorf vom 20. Juli bis 28. August, Katalog 12 Mark). Katrin Sello

Hamburg: „Karolus Lodenkämper“

Wenn man die Bilder von Karolus Lodenkämper sieht, dann ist man ein wenig erschrocken über die Eleganz und Perfektion, mit der ein junger Künstler (Lodenkämper wurde 1943 in Essen geboren und lebt in Düsseldorf, wo er die Kunstakademie besuchte) Themen wie Isolation, Verwundung, Auflösung ins zweimal zwei Meter große Bildformat bringt. Die Bilder heißen „Kasten“ oder „Zelt“ oder „Hütte“ oder „Käfig“ oder „Pferch“ und reduzieren sich alle auf eine Situation: ein menschliches Wesen (oder der Rest desselben) sitzt, hockt, hängt zwischen Gittern, Balken, unter Zelten, Schirmen, umgeben von Zivilisationsmüll aller Art. Manchmal haben die Menschen Hände und Füße verbunden, einen Mundschutz im Gesicht, manchmal haben sie sich fast völlig entmaterialisiert. Was hier, gebrochenfarbig, dargestellt wird, ist nicht Terror, sondern Isolation, und die Isolation ist eine doppelte: selbstgewählt und oktroyiert. Es sind traurige Bilder, und das unterscheidet sie, bei der Gemeinsamkeit der Thematik, von den Arbeiten von Francis Bacon, auf denen Einsamkeit in schiere, nackte Verzweiflung umgesetzt ist. Es sind sehr kunstvoll komponierte Bilder, und das unterscheidet sie, bei der Gemeinsamkeit in Stil und Technik, von den meisten Arbeiten der Photorealisten, vor allem auch von den Bildern Gerhard Richters, an den die sehr pointiert eingesetzten Verwischungen erinnern. Lodenkämper holt sich seine Bilder nicht aus dem Kopf, der Phantasie, er arrangiert alles in der Realität, photographiert dann die halbtoten Stilleben, überträgt die Motive mit Schablonen auf die Leinwand, greift dabei zur Spritzpistole, diesem Gerät, das, halb Abkühlung und halb Tod zitierend, so gut zu seiner abwehrenden Arbeit paßt (Galerie Levy bis Bodo August, ein Bildband, der zur Ausstellung erschien, kostet 50 Mark). Petra Kipphoff

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: „Amerikanische Zeichner des 20. Jahrhunderts – Drei Generationen Von der Armory Show bis heute“ (Staatliche Kunsthalle bis 11. Juli)

Bremen: „Andy Warhol – das zeichnerische Werk 1942–1975“ (Kunsthalle bis 11. Juli, Katalog 30 Mark)